Er war in St. Gallen ganz deutlich zu spüren: der (Kirchen)Frühling. Die Demo war ein Aufstand gegen (einen) Hierarchen, der «Rechtgläubigkeit mit Winterstarre» verwechselt (Erwin Koller).
Das Motto lautete zwar «Es reicht!» Aber nicht die Churer Missstände standen im Zentrum. Sondern der Traum einer menschenfreundlichen Kirche. Jacqueline Keune beispielsweise träumte als Rednerin von Bischöfen, die nicht nur wissen, wo das Kirchenrecht in ihrem Büchergestell zu finden ist. «Sie kennen auch wenigstens zwei-drei Arme beim Namen – und den Namen ihrer Putzfrau.» Jacqueline erinnerte daran, dass Jesus sich nicht in goldenen Monstranzen einschliessen lässt. Er findet sich z.B. in den dünnen Schlafsäcken der Flüchtlinge auf Lampedusa …
Der zweite Hauptredner, der ehemalige Luzerner Regierungsrat Anton Schwingruber, lobte die Rolle der Landeskirchen. Im Weiteren könnte die Kirche vom Schweizer Staat lernen, beispielsweise von den föderalistischen Strukturen.
Ein gutes Zeichen: Der St. Galler Bischof nahm den Brief der Demo mit Wünschen an die Bischofskonferenz an. Diese werde ihn gemeinsam lesen und sich fragen, welche Konsequenzen sie daraus ziehen könne, versprach er in einem Interview am Rande der Demo.
Und was wohl das allerwichtigste ist: Die Teilnehmenden der Demo ermutigten sich in ihrem Einsatz für eine erneuerte Kirche. Alte Freundschaften wurden lebendig, neue entstanden. Schon deshalb hat sich die Demo gelohnt.
PS. Die leidige Frage der Zahl der Teilnehmenden: Die Polizei schätzte über 2000. Ich schloss mich auf der Heimfahrt der Schätzung an und präzisierte sie in «2111 und drei Hunde». Der NZZ blieb es vorbehalten, die Zahl auf etwa 1000 runter zu drücken. Typisch …
PS 2: Heimlicher Star war Päpstin Johanna II. mit Bischofsmütze; wohl jünger als zweijährig. Zwischendurch bekam sie von ihrer Mutter den Schoppen.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/demo-fuer-eine-glaubwuerdige-und-befreiende-kirche-in-st-gallen/