Gestern hatte ich in Genf ein Interview mit Jean Ziegler. Wir hatten uns in einem Restaurant an der Rue de Zurich verabredet. Wie schon oft, verirre ich mich auf der Suche nach dieser Strasse. (Mein Orientierungssinn ist so schwach, dass ich im Verlaufe meines Lebens auf meinen vielen Reisen sicher schon Hunderte von Kilometern in fremden Städten herumgeirrt bin; auch in der eigenen …)
Als ich die Strasse nicht finde, frage ich zwei junge Frauen. Sie ignorieren mich, wohl in der Annahme, die Frage nach der Strasse sei nur ein Vorwand. Da kommt ein älterer Herr mir entgegen. Ja, er kenne die Rue de Zurich. Es sollt mit ihm kommen. Es stellt sich heraus, dass er ein syrischer Flüchtling ist: «Ich habe alles verloren. Meine Stadt ist völlig sieht so aus wie dt. Städte nach dem Krieg.»
Dann erzählt er, er besuche einen Freund in der Nähe der Rue de Zurich: «Sie haben also Glück», meint er und korrigiert sich: «Nein, es ist die Vorsehung.» Und: «Sie Sie gläubig?» Auch er sei gläubig, ein Christ. Und: «Der Heilige Geist hat mir schon oft bei der Lösung von Problemen geholfen. Er selber ist zwar stumm. Aber er spricht durch Menschen.»
Übrigens: Diese Begegnung ist vielleicht auch ein Kapitel «Fremde unter uns».
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/der-syrische-fluechtling-und-die-vorsehung/