Wer sich auch nur ein wenig mit Papst Franziskus beschäftigt, weiss es: Er ruft immer wieder zur Barmherzigkeit auf. Sein Postulat, geschiedenen Wiederverheirateten mit Barmherzigkeit zu begegnen, ist nur eines der vielen Beispiel.
Barmherzigkeit kommt auch zum Ausdruck im folgenden Gebet, das allerdings nicht vom Papst stammt:
Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen.»
Lob sei Gott (Allah), dem Herrn der Menschen in aller Welt)
dem Barmherzigen und Gütigen,
der am Tag des Gerichts regiert!
Dir dienen wir, und dich bitten wir um Hilfe.
Führe uns den geraden Weg,
den Weg derer, denen du Gnade erwiesen hast , und die nicht dem Zorn (Allahs) verfallen sind und nicht irregehen!
Die wenigsten von Ihnen werden es erraten, wo dieses Gebet zu finden ist: Es handelt sich um den Anfang des Korans, des heiligen Buches der Muslime.
Ich erlaube mir, heute etwas über den Islam zu sagen. Sie alle wissen es. Der Islam ist hierzulande das Feindbild Nr. 1. Wie früher den Kommunisten alles in die Schuhe geschoben wurde, so sind heute im Bewusstsein vieler die Muslime an allem bösen Schuld.
Sicher, ich weiss es und leugne es nicht: Es gibt die islamistischen «Gotteskrieger». Es gibt Strömungen im Islam, die ein brutales Regime aufrichten wollen. Sie alle berufen sich auf ihr Heiliges Buch, den Koran.
Ja, es nicht zu übersehen: Es gibt dort brutale, kriegerische Stellen. Nur zwei Beispiele:
-»Wenn sie … euch nicht den Frieden anbieten, dann greift sie und tötet sie, wo immer ihr sie antrefft.» (4. 91)
-Oder gegen die Götzenanbeter/Polytheisten: «Tötet sie, wo immer ihr sie findet, greift sie, belagert sie…»
Auf solche Stellen berufen sich die Gotteskrieger. Sie übersehen die unzähligen andern, friedlichen Stellen des Korans. Gerade auch in der eben zitierten gegen die Götzenanbeter heisst es gerade anschliessend:
-»Wenn sie umkehren, das Gebet verrichten und die Abgabe entrichten, dann lasst sie ihres Weges ziehen. Gott ist voller Vergebung und barmherzig.»
Damit sind wir wieder bei der Barmherzigkeit: Haben Sie gewusst, dass jede der 114 Abschnitte des Korans mit einer einzigen Ausnahme mit den Worten beginnt:
«Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen.»
Diese Worte sind sozusagen der Notenschlüssel, mit dem der Koran gelesen werden muss. Und ebenso wichtig: Wenn wir die Milliarde Muslime nicht als kriegerisch verleumden wollen, dürfen wir die unzähligen friedlichen Stellen des Korans nicht unterschlagen. Nur ein Beispiel:
Die Gläubigen, Juden und Christen, «all die, die an Gott und an den Jüngsten Tag glauben, sie haben nichts zu befürchten und sie werden nicht traurig sein.» (2, 62)
Wir tun der Mehrheit der Muslime, die wie wir im Frieden leben wollen, Unrecht, wenn wir nur die schlimmen Stellen ihres Heiligen Buches herausgreifen. Und vergessen wir nicht: Es gibt auch in unserer Bibel gewalttägige Stellen. (Bemerkung im Blog: Ich mache «Bambi» nicht die Freude, sie hier zu zitieren. Er wird es sicher in seinem Blog tun. Danke im Voraus…)
Ich komme langsam zum Schluss. Es wäre unverzeihlich, wenn ich eine Predigt über den Islam halten würde, ohne daran zu erinnern, was das Konzil dazu sagte. Es spricht «mit Hochachtung» von den Muslimen, die den einzigen Gott anbeten, den barmherzigen. (Damit sind wir wieder bei dem, was ich am Anfang gesagt habe).
Und das Konzil weist darauf hin, dass die Muslime «Gott verehren durch Gebet, Almosen und Fasten«. Damit sind wir bei der heutigen 1. Lesung, die ebenfalls vom Fasten und vom Almosengeben spricht.
Übrigens: Die meisten der eine Milliarde Muslime halten den Fastenmonat Ramadan. Während des ganzen Tages trinken sie nicht einmal Wasser.
Müssten nicht wir Christen, die das Fasten fast völlig abgeschafft haben, mit Bewunderung auf sie schauen; statt verächtlich auf sie hinabzuschauen?
(Langnau i. E.; So 9.30 Uhr)
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant