Bayerische Vatikankennerin über den Vatikan und die Chancen des Franziskus

Crista Kramer von Reisswitz: Macht und Ohnmacht im Vatikan. Papst Franziskus und seine Gegner. orell füssli 2013.  ISBN-10:3-280-05517-2. 230 S., ca. Fr. 30.90.
Wenn schon wenige Monate nach dem Amtsantritt eines Papstes ein Buch über ihn herauskommt, spricht man bald von einem «Schnellschuss». Diese Skepsis ist in diesem Fall nicht angebracht. Crista Kramer von Reisswitz gesteht in ihrem Vorwort, dass der Grundstock für dieses Buch bereits vor dem Amtsverzicht Benedikt XVI. vorhanden war. Sie «schnetzelt» aber nicht in Vorhandendenes bloss einige Hinweise auf den neuen Papst hinzu – wie es andere Autoren getan haben – und schon ist ein neues Buch fertig.

Vielmehr weiss die Autorin geschickt altes, hintergründiges Material mit der Analyse der neuen Entwicklungen zu verbinden. Die aus dem böhmischen Adel stammende, in der Nähe von Ratzingers Geburtsort aufgewachsene charmante Vatikankorrespondentin ist eine der besten deutschsprachigen Romkennerinnen.

Wie treu war sich Ratzinger als Papst?
Als ich in einer Glosse unmittelbar nach Ratzingers Amtsantritt meinte, von ihm sei nichts Neues zu erwarten, erntete ich reihenweise Schläge. Und mein lieber Mitbruder Walbert Bühlmann vertrat immer wieder seine These vom «Ratzinger III.). Nach dem 1., dem aufgeschlossenen Theologen und dem 2., dem konservativen Kardinal, folge nun ein 3., der sich auf den 1. besinne und sich wandle.
Als ich kürzlich von meiner damaligen Glosse erzählte, meinte eine Theologin: «Jeder Mensch verdient die Chance eines Neuanfangs.» Einverstanden. Aber im Falle von Benedikt XVI. hatte ich mich – leider, leider – nicht getäuscht.
Im oben rezensierten Buch, erinnerte die Autorin an die Aussagen seines Papstwappens: «Mitarbeiter der Wahrheit und Treue zu den eigenen Grundsätzen sowie denen seines Vorgängers». So musste es ja kommen, wie es gekommen ist ….

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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