Wir basteln ein Feindbild

Wir müssen immer wieder neue Feindbilder schaffen. Denn alte nutzen sich ab. So taugt das alte Feindbild «Italiener» schon längst nicht mehr. Es hat sich sogar zum Freundbild mutiert. Schweizer Frauen haben lieber einen Italiener als einen Schweizer als Schwiegersohn (wohl weil sie «la Mamma» so verehren). Vor 30 Jahren kamen glücklicherweise die Tamilen ins helvetische Land und schon hatten wir wieder ein pflegeleichtes Feindbild – bis diese Männer sich in Hotelküchen als ganz zuverlässige Helfer erwiesen.
Wenn wir dem Hobby frönen, Feindbilder zu basteln, dürfen wir nicht bloss an einzelne Länder und ihre Bewohner denken. Grossflächige Konzepte sind dankbarer. Zum Beispiel die EU. Das weiss Herr Blocher. Doch aus nicht immer gut informierten Kreisen war am Rande der Albisgüetli-Tagung zu erfahren, dass dieser Mann daran denkt, in südliche Gefilde auszuwandern. Nach Spanien, munkelt man. Doch dann stirbt sein schönes Feindbild.
Für Ersatz lässt sich sorgen. Ein wirklich heisser Tipp: pazifische Inseln. Wegen der Erderwärmung werden sie im Meer versinken. Dann droht uns die Masseneinwanderung von 10 Millionen «bodenlos» Gewordener.
(Eine redigierte Version erschien in der KIPA als «Seitenschiff»)

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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