Mücken und Schnecken; Anton Rotzetters Tier-Theolgie

Hier der 2. Teil meines Gesprächs, das ich mit meinem Mitbruder Anton Rotzetter für die franziskanische Zeitschrift «tauzeit» geführt habe:

Eine Theologie, welche die Rolle der Tiere reflektiert, werde weitgehend belächelt, meint Anton Rotzetter. Oder ad absurdum geführt: etwa, wenn die Frage gestellt werde, wie man denn mit lästigen Mücken umgehen solle. Wie weit auch sie ein Lebensrecht hätten.
Antons Antwort zeigt, dass er nicht in die Ecke naiver Öko-Fundamentalisten gestellt werden darf. Sicher, auch er erschlage hie und da Mücken. Doch er bemühe sich «wenigstens um ein zögerndes, schonendes Verhalten»; das auch Impulse für den Umgang mit lästigen Menschen – oder Giftnudeln – vermitteln könne: «Ich darf sie ja nicht einfach abmurksen.»
Oder dann die lästigen Schnecken, die niemand in seinem Garten haben will: Auch sie würden oft genannt, um das Anliegen der Tier-Ethik lächerlich zu machen. Es gäbe schonendere Arten als Gift, um sie fern zu halten, etwa den Kaffeesatz.
 
Intelligente Raben
Zurück zu den Grundlagen eines verantwortlichen Umgangs mit den Tieren. Da spielen für Anton Rotzetter auch die umwälzenden Einsichten der neueren Verhaltensforschung eine nicht unbedeutende Rolle. Er habe noch gelernt, dass nur Menschen mit Werkzeugen herstellen können. Inzwischen kennt die Forschung intelligente Raben, die sich in der Futtersuche überraschend kreativ verhalten, ganz abgesehen von den Fähigkeiten vieler Affen.
Ebenso habe es sich gezeigt, dass nicht nur Schimpansen, sondern beispielsweise auch Elstern ein Selbstbewusstsein haben. Denn sie können sich im Spiegel erkennen.
Das Institut für Theologische Zoologie, das Anton Rotzetter 2009 in Münster mit Rainer Hagencord gegründet hat, erarbeitet eine Theologie, welche die wissenschaftlichen Erkenntnis ernst nimmt und vertieft (www.theologische-zoologie.de). Anton hält dort gelegentlich Vorlesungen. Vor allem aber ist er für die Herausgabe des Jahrbuches und weiterer Publikationen verantwortlich.
Kirche und Tier
Eine andere Institution ist für das Wirken Rotzetters im Bereich der Schöpfungstheologie sehr bedeutsam: die «Aktion Kirche und Tiere/akut»  (www.aktion-kirche-und-tiere.ch). Er lernte den Verein vor vielen Jahren in Deutschland kennen. Als es zur Gründung des Schweizer Zweiges kam, wurde er 2004 zum Präsidenten gewählt. Der Verein hat 292 Mitglieder und ist im Wachsen begriffen. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er durch die Tiergottesdienste bekannt.
Für die nächste Zukunft hat mein Mitbruder etliche Pläne. In Plasselb, dem freiburgischen Sensebezirk, entsteht eine Gedenkstätte für Prinz Max von Sachsen, der an der Universität in Freiburg dozierte und dort 1951 bettelarm starb. Er förderte nicht nur die Einheit von Ost- und Westkirche, sondern machte sich auch für den Tierschutz stark.
In Plasselb wird es demnächst auch ein Bibelmuseum geben, in dem die vielfach in Vergessenheit geratenen biblischen Texte über die Schöpfung zu sehen sind.
Hinter all dem steht Anton Rotzetters Anliegen: «Unser Lebensstil muss eine Wende erfahren – zugunsten von Lebensqualität, weltweiter Gerechtigkeit und umfassender Solidarität.»
 
PS. Am Tag nach unserem Gespräch schickte mir Anton sein soeben erschienenes Gedicht, das ich hier auszugsweise zitiere:
 
Ich schreie
Mit den Gefolterten
Den Missbrauchten
Den Vergewaltigten
Nichts ändert sich
Wo bist Du?
Gott
 
Ich schreie
Mit der Kuh, der man das Kalb nimmt
Mit dem Pferd, das man mit Spritzen antreibt
Mit dem Lamm, dem man das Wasser verwehrt
Nichts ändert sich
Wo bist Du?
Mensch

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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