Dasselbe Fest wie seit jeher

Serie: Weihnachten – 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1)
In den Jahren 2012 bis 2015 erinnert sich die katholische Kirche daran, dass vor 50 Jahren das Zweite Vatikanische Konzil stattfand. Da diese Erinnerung in Zeiten der Krise und der Polarisierung der Kirche fällt, ist auch die Bedeutung dieses Konzils umstritten: War es eine kopernikanische Wende – oder lediglich eine Reform? Hat es zur Verweltlichung der Kirche beigetragen – oder unerlässliche Voraussetzungen geschaffen, Kirche in der Welt von heute zu sein? Führt der Weg der Kirche in die Zukunft über das Konzil hinaus oder hinter das Konzil zurück?Diese Fragen sind wichtig – aber das Weihnachtsfest, das uns auf die Menschwerdung Gottes als Zentrum und Geheimnis unsers Glaubens verweist, ist sehr viel wichtiger als jede Diskussion um Kirchenreformen und jede Debatte über das rechte Verständnis des Konzils. Und für alle, die Weihnachten – aus wie grosser Nähe und Distanz auch immer – auch als kirchliches Fest feiern, ist die konkrete Frage, ob und wie das Zweite Vatikanische Konzil die Art und Weise verändert hat, Weihnachten zu feiern und zu verstehen, mindestens ebenso wichtig wie die theoretische Frage nach der angemessenen Hermeneutik des Konzils. Was also heisst es, 50 Jahre danach, im Geist dieses Konzils Weihnachten zu feiern?Zunächst: Es wäre keinem Konzilsvater oder Konzilstheologen in den Sinn gekommen zu sagen, die Kirche feiere nach dem Konzil ein neues Weihnachten. Sie feiert das selbe Fest und meditiert das selbe Geheimnis wie seit jeher. Der grosse, allmächtige und ewige Gott geht ein in die Gestalt eines kleinen, verletzlichen und bedrohten Kindes. Der unendlich ferne Gott kommt uns menschlich nahe, näher als wir selbst uns sind. Jene, die Weihnachten feiern, besingen die selbe stille, heilige Nacht wie seit 2000 Jahren. Sie hören den Friedensgruss der Engel, auch in Zeiten der Gewalt. Sie halten Ausschau nach dem Stern der Erlösung, mitten in der dunkeln, kalten Nacht. Und sie kommen mit all ihren Mühseligkeiten und mit all dem, was das Leben kostbar macht zur Krippe – wie die Hirten vom Feld und die Weisen aus dem Orient.(Daniel Kosch; vgl. Daniel Kosch: Weihnachten – 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. In: SKZ 180 [2012] 827–829)

Konzilsblogteam

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