«Nachhilfe für den Papst»
Amüsiert habe ich im Tages-Anzeiger Magazin eine Glosse mit diesem Titel von Daniel Binswanger gelesen. Dieser kommentiert darin einen Gastkommentar der guten alten Zürcher Zeitung/NZZ, die auch für viele konservative Katholiken fast so viel Glaubwürdigkeit wie die Bibel besitzt. In der NZZ (Sonntagsausgabe) hatte es mit Blick auf das neue päpstliche Schreiben geheissen, der Papst Franziskus verstehe rein gar nichts von Ökonomie. Überhaupt lasse er es auch «an guter Theologie» vermissen. Dazu nun Binswanger:
«So weit ist es also gekommen mit der Christenheit: Mittlerweile muss das Hausblatt des reformierten Freisinns der Kurie erklären, was anständiger Katholizismus ist.»
Ganz anders tönt es in der Südostschweiz:
«In diesem Dokument kritisiert der Papst die «Tyrannei des Marktes» und ruft die Kirche wie die Mächtigen auf, gegen Armut und Ungleichheit zu kämpfen. Unglaublich, dass sich niemand darüber aufrege, wenn ein alter Mann auf der Strasse erfriere, «während eine Baisse um zwei Punkte an der Börse Schlagzeilen macht» – solche Sätze sind von einer lebensnahen Direktheit, wie sie sonst in apostolischen Schreiben nicht zu finden sind. «Diese Wirtschaft tötet», so ein viel zitierter Satz, der in den USA die Klage hervorrief, in Rom sitze ein Marxist auf dem Papsttrohn. Die Kritik am Kapitalismus sei nichts anderes als die Soziallehre der Kirche, konterte Franziskus.» ——–
Verfasser ist Claudio Willi, den ich in Rom öfters angetroffen habe, als er dort Korrespondent war. Ein sehr humorvoller Kollege (übrigens nicht zu verwechseln mit Viktor Willi).
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/zueri-ziitig-gibt-dem-papst-theologischen-nachilfeunterricht/