Überraschenderweise bat mich die Schweizer Bauernzeitung, die ich bisher nicht kannte, recht kurzfristig um einen Weihnachtsartikel. Hier der zweite Teil, passend in eine solche Zeitung.
In der Luzerner Landschaft, in Grosswangen, bin ich in einer Kleinbauernfamilie aufgewachsen. An Heiligabend schickten die Eltern uns Kinder in den Stall, wo wir warten mussten, bis das Christkind in der Stube den Christbaum aufgestellt und die Geschenke hingelegt hatte. Um den Aufenthalt spannend zu machen, erzählte uns die Mutter, in der Heiligen Nacht könnten die Kühe reden. Sie taten es zwar nicht. Aber jedes Jahr warteten wir gespannt darauf. Kürzlich berichtete ich davon einer Freundin, die Gedichte schreibt. Sie nahm die Legende auf und schrieb:
eine seltsame Nacht
man sagt
in dieser Nacht
könnten selbst die Tiere
miteinander reden
es wäre die Nacht
der Wunder
wenn nun die
Menschen miteinander
reden würden
als gäbe es weder
Hass noch Streit
wäre das nicht
ein Wunder
endlich ein Wunder?
Anke Maggauer-Kirsche
Miteinander reden? Ich denke, viele tun es – vor allem an Weihnachten, wenn sie sich im Familienkreis endlich wieder einmal treffen. In der vollen Stube gibt es um den Christbaum herum kaum ein Ausweichen. Ich befürchte, die allermeisten von uns haben dabei schmerzlich erleben müssen, dass familiäre Konflikte aufbrechen. Der Grund ist wohl: Während des Jahres nehmen wir uns zu wenig Zeit, miteinander zu reden und aufeinander zu hören.
Darum: Halten wir uns an den bekannten Spruch: «Das ganze Jahr ist Weihnachten.» Und öffnen wir uns jeden Tag füreinander im Gespräch. Dann dürfen wir das Fest der Menschwerdung mit weniger Konflikten erleben.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant