Immer wieder überrascht Papst Franziskus mit Gesten, die wirkungsvoll und alles andere als selbstverständlich sind. So soll er sich in gewöhnlichen Priesterkleidern aus dem Vatikan geschlichen haben, um sozusagen «undercover» das Leben der Armen Roms kennenzulernen.
Bei solchen vorbildlichen Gesten denkt man spontan: Die Bischöfe sollten sich ein Beispiel daran nehmen. Nur die Bischöfe? Bei selbstkritischem Nachdenken muss ich sagen: Ich habe mich bei meinen Aufenthalten in Rom (insgesamt über ein Jahr) kaum um die Armen gekümmert – mit Ausnahme eines Besuches der Elendsviertel der Magliana, im Zusammenhangt mit meiner Arbeit im Rahmen der «Aktion im Dienste des Bruders», heute «Kovive».
Themawechsel: 50 Jahre Liturgiereform
Kaum hatte ich den Bericht über den Besuch des Papstes bei den Armen gelesen, fand ich eine Bilanz über die Liturgiereform. Beklagt wurde darin u.a. «Selbstgestricktes» in der Liturgie. Der Vorwurf ist nicht neu. Und es ging um Derartiges, als Bischof Brunner vor einigen Monaten sich verbot, an einem Kindergottesdienst Elemente zu verwenden, welche die selbst gestaltet hatten.
Das Gegenteil von «selbstgestrickter Liturgie ist wohl die Schnürli-Messe, bei der alles wie am Schnürchen abläuft. Ein horrendes Beispiel erlebte ich unmittelbar nach dem Tod von Papst Paul VI. Ich schaltete Radio Vatikan ein, wo gerade die erste Requiem- Messe eingeleitet wurde: «Bevor wir die heiligen Geheimnisse feiern, wollen wir unser Gewissen erforschen.» Kein Wörtchen davon, dass es sich um einen aussergewöhnliche Augenblick handelte.»
Zum Glück «stricken» die meisten Priester ihre Einführungen zur Messe selber ….
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/papst-undercover-bei-den-armen-und-selbstgestricktes-in-der-liturgie/