Papst Franziskus spricht wie Jean Ziegler

Vor einigen Jahren gab ein Mann in Lateinamerika ein Inserat auf: «Suche Stelle als Sklave.» Der Hintergrund: Die Armen wurden lange Zeit auf dem Kontinent ausgebeutet. Inzwischen sind viele von der Gesellschaft völlig ausgeschlossen.
Darüber schreibt Papst Franziskus in seinem neuesten Rundschreiben. Aus einer Zusammenfassung von journal21:
«Diese Wirtschaft tötet»
(…) Im nächsten Absatz, der überschrieben ist: «Nein zu einer Wirtschaft der Ausschliessung», findet Franziskus Worte, die in ihrer Schärfe nicht mehr steigerungsfähig sind. Er erinnert an das Gebot,»du sollst nicht töten», und stellt fest: «Diese Wirtschaft tötet». Wir haben es also mit einer tötenden Wirtschaft zu tun.
Geradezu sarkastisch fährt Franziskus fort: Wenn ein alter obdachloser Mann auf der Strasse erfriere, interessiere das niemanden, aber der kleinste Kurssturz an der Börse sei allemal Schlagzeilen wert. Und dann folgt in ganz knappen Sätzen ein Gedankengang, der, ohne es direkt auszusprechen, die Wirtschaft mit den übelsten totalitären Staatsformen von rechts und von links gleichsetzt.
Staatlich verordneter Mord
Die Armen seien nicht nur arm, sie seien von der Wirtschaft aus unserer Gesellschaft «ausgeschlossen». Das ist ein Terminus, der eine erschreckende Tiefendimension hat. Er bedeutet nämlich in der neueren Geschichte, dass mit dem Ausschluss einzelner Menschen oder ganzer Gruppen der staatlich verordnete Mord nicht weit ist.
Diejenigen, die in Rom dem Papst bei der Formulierung dieser Sätze zur Seite standen, wussten ganz offensichtlich, worauf sie sich beziehen: die Theorie der Ausschliessung, wie sie unter anderem in dem Werk des italienischen Philosophen Giorgio Agamben – «Homo sacer» – dargelegt worden ist. In diesem Buch setzt sich Agamben mit dem Phänomen auseinander, dass der moderne totalitäre Staat des Nationalsozialismus, aber auch des Stalinismus auf der Vernichtung derjenigen beruht, die aus ethnischen, rassischen oder politischen Gründen aussortiert werden. Agamben wiederum stützte sich dabei auf Analysen von Hannah Arendt und Michel Foucault.
Wer aus der Gesellschaft ausgeschlossen ist, verfügt über keinerlei Rechte. Massenvernichtung und Konzentrationslager sind die Folgen. Wie um zu unterstreichen, dass er nur zu genau weiss, was er sagt, beendet der Papst den betreffenden Passus mit dem Satz: «Die Ausgeschlossenen sind nicht `Ausgebeutete`, sondern Müll, `Abfall`.»
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Das gleiche habe ich schon öfters gelesen: Bei meinem Freund Jean Ziegler
 

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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