Nicht jeder kirchliche Bau, der viel kostet und «luxuriös» ist, ist skandalös. So lässt sich die Meinung zusammenfassen, die der bekannte Religionspädagoge (und «Kirchenkritiker») Hubertus Halbfas äussert:
Im Blick auf den Fall Limburg ist einiges auseinander zu halten. Zunächst ist die Kirche in ihrer Geschichte als Bauherr nie sparsam gewesen. Sie hat immer in einem grosszügigen, um nicht zu sagen, verschwenderischen Stil kostspielige Bauvorhaben realisiert. Sonst gäbe es keinen Kölner Dom oder die Würzburger Residenz – und viele andere Bauten nicht, die heute als Weltkulturerbe gelten. Darüber sind Gläubige wie Nichtgläubige heute noch glücklich. Und es scheint, dass die Limburger Massstäbe an dieser Tradition orientiert waren. Das Problem des Limburger Projektes war und ist es, dass sich mit einem öffentlichen Bauvorhaben private Luxusansprüche vermischt haben. Grundsätzlich sollten Kirchen aber schon in ihrer baulichen Gestalt die höchsten ästhetischen Ansprüche ihrer Zeit erfüllen. Es ist schlimm genug, dass viele Kirchen in unserem Landkreis kein hohes ästhetisches Niveau haben, mit negativen Folgen. (…)
Ich kann mich an eine Weihnachtspredigt von Franz Kamphaus, dem Vorgänger von Tebartz, erinnern. Sein Thema war: Der Stall, die Futterkrippe und der prächtige Limburger Dom. Wie ist diese Spannung auszuhalten? Bischof Kamphaus ist diese Problematik bewusst gewesen. Er hat in seiner privaten Situation zwar überhaupt keine Ansprüche gestellt, er hat aber einen Dom gepflegt, der in seiner Innenraumgestaltung Einfachheit mit Eleganz verbindet. Dieser Dom ist für jedermann eine wunderbare Erfahrung, mag man nun gläubig sein oder nicht. Wer die Lahn ein paar Kilometer flussabwärts fährt, kommt zur romanischen Klosterkirche Arnstein. Dort ist die Zeit stehen geblieben. Da guckt der Kitsch und der Muff aus allen Ecken heraus. Da könnte man ruhig mehr Geld investieren – verbunden mit Stilgefühl und einer niveauvollen Spiritualität. Religion hat immer mit Schönheit zu tun.
Auch mit äusserer Schönheit?
Ja natürlich. So ist es nicht allein im Christentum, sondern auch in anderen Religionen. Schönheit meint die Übereinstimmung von Inhalt und Form. Wenn es um Gottesdienst geht, ist Ästhetik kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Viele laufen heute aus den Kirchen oder kommen erst gar nicht herein, weil eine unsensible Sprache, nicht mehr stimmige Texte und ein verkitschter Raum sie daraus vertreiben. Darum sind teure Architekten, falls es die besten sind, auch die richtigen.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant