Die grösste Seligsprechung der Kirchengeschichte fand gestern statt. Zuerst die offizielle Darstellung (gemäss KIPA-Bericht) :
Die 522 seliggesprochenen Märtyrer wurden während des spanischen Bürgerkriegs wegen ihrer christlichen Überzeugung und Zugehörigkeit zur katholischen Kirche von Anhängern der spanischen antiklerikalen Republik ermordet. «Sie waren jedoch keine Opfer des Bürgerkriegs, sondern Opfer einer radikalen, religiösen Verfolgung», sagte Kurienkardinal Angelo Amato, der Präfekt der Römischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, in der katalanischen Hauptstadt Tarragona.
«Aus Hass auf Religion ermordet»
Die Märtyrer seien keine Soldaten gewesen, sie hätten keine Waffen getragen und keine Partei unterstützt. «Sie wurden aus Hass auf die Religion ermordet, nur weil sie Katholiken, Priester, Seminaristen oder Religiöse waren und an Gott glauben», sagte Amato bei dem Gottesdienst in Tarragona vor rund 25.000 Gläubigen, unter denen sich auch 104 Bischöfe und fast 1.400 Priester befanden.
Diese Darstellung wirft Fragen auf: Der Vatikan hat sich lange (offiziell wohl immer noch, trotz Papst Franziskus) geweigert, Romero selig zu sprechen. Er sei kein Glaubenszeuge, sondern bloss ein Zeuge für Gerechtigkeit gewesen.
Und wer will behaupten, die nun selig Gesprochenen hätten sich auf der Seite der Gerechtigkeit befunden. Sicher, die meisten waren persönlich integer. Doch ihre Kirche hat eine demokratische gewählte Regierung bekämpft, weil diese Kirche auf der Seite der Feudalisten stand.
Trotzdem: Was mit ihnen geschah, war ein Verbrechen. Aber sind sie wirklich Märtyrer, die für eine gerechte Sache starben?
Ich weiss, für Konservative ist diese Frage ein Gräuel. Trotzdem stelle ich sie hier.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/die-neuen-522-spanischen-seligen-sind-sie-wirklich-maertyrer/