Dass ich heute aus meinem Wegwarte-Franziskusbüchlein zitiere, hat nicht nur damit zu tun, dass ich erst gestern um 01.30 Uhr aus meinen Kretaferien zurückkam (von 31 Grad vor dem Abflug in 13 Grad bei der Landung….) und mit dem Aufräumen des Pultes beschäftigt bin. Ich meine auch, gerade durch Papst Franziskus hätten meine Überlegungen eine besondere Aktualität bekommen.
Poverello: der kleine Arme
Er ist der «Arme von Assisi». Manche nennen ihn zärtlich «Poverello», den «kleinen Armen»: Franz ist für viele der Inbegriff des materiell anspruchslosen Menschen. Die Anspruchslosigkeit hat er in seiner Regel knapp und klar ausgedrückt: Die Brüder sollen «von der ganzen Welt nichts anderes brauchen als Nahrung und Kleidung». Gleich anschliessend benennt er eine soziale Dimension seines Armutsverständnisses: «Und sie sollen sich freuen, wenn wir mit unbedeutenden und verachteten Leuten zusammen sind, mit Armen und Schwachen und Aussätzigen und Bettlern am Weg.»
Schauen wir, wie es Franz und seinen Brüdern gelang, als Arme und «Mindere» zu leben. Als erstes fällt ihre Lebensweise als ortlose Nomaden auf. Sie wollen sich keinen Platz «aneignen», um zu zeigen, dass sie auf der Erde keine Heimat haben. Ihr Motto lautet: «Als Pilger und Fremdlinge» durch die Welt ziehen. Hätte das Wort nicht einen ausschliesslich negativen Klang, könnten wir vom «Vagabundieren» sprechen. Auf ihren Wanderungen verbringen die Brüder die Nächte in Höhlen, Kirchen, Aussätzigenheimen und oft beim Bauer auf Stroh. Es kam vor, dass sie in Backstuben übernachten mussten und am Morgen entsprechend verdreckt herumliefen.
Wir dürfen uns nicht vorstellen, dass die Brüder täglich geduscht und stets frisch gekämmt durch die Lande zogen. Ein Autor meinte vor 25 Jahren, der Poverello und seine Gefährten hätten sich dem Äussern nach nicht sehr von Hippies unterschieden. Ebenso müssen wir uns von der Vorstellung verabschieden, Franz sei eine stattliche Erscheinung gewesen. Er selber nennt sich einen «unbedeutenden und hinfälligen Menschen» und als «kleinen Knecht». Es gibt sogar Zeitgenossen, die ihn als hässlich beschreiben haben.
Um seinen Standortwechsel von der reichen Oberschicht zum verachteten Lumpenproletariat äusserlich sichtbar zu machen, betätigte sich der angesehene Bürgersohn in Assisi als Bettler. Kaum vorstellbar, mit welchen Gefühlen der frühere «Partykönig» bei seinen ehemaligen Bewundern mit einem Napf von Tür zu Tür zog, um das, was von den Tischen übrig blieb, zu erbetteln! Das «Gemengsel» von Speisen, das da zusammenkam, konnte der kulinarisch Verwöhnte nur mit Abscheu zu sich nehmen.
Damals war Betteln für Kleriker und Ordensleute verboten, zumal diese einen privilegierten, hoch angesehenen Stand bildeten. Wenn Franz seinen Brüdern nahe legte, zu betteln, machte er offenkundig, dass die Bruderschaft auf klerikale und monastische Privilegien verzichtete und zu einem niedrigen Stand gehören wollte.
Allerdings müssen wir unser Bild von den «Bettelbrüdern» differenzieren. Sie verstanden sich vor allem als Hilfs- und Wanderarbeiter, die von ihrer Hände Arbeit leben wollten und erst dann, wenn ihnen der Lohn vorenthalten wurde, «zum Tisch des Herrn Zuflucht» nahmen und bettelten. Darum kann ein Franziskus-Experte die These aufstellen: «Franz organisierte keine Bettlerbanden, sondern Brüdergemeinschaften von armen Arbeitern.» Als der Orden zahlenmässig sehr rasch zugenommen hatte, wäre er mit einer prinzipiell bettelnden Lebensweise ohnehin zu einer Landplage geworden.
Aus: Franz von Assisi für Ungläubige. Wegwarte-Verlag.
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Fortsetzung folgt morgen.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/zum-heutigen-festtag-des-franz-von-assisi/