«Niemand kann und darf übersehen, dass sich die römisch-katholische Kirche zum Zeitpunkt des Abganges von Benedikt XVI. in einer schweren Krise befunden hat.» Dies schreibt Herbert Kohlmaier, der «Vater» der österreichischen Laien-Initiative in einem Beitrag mit dem Titel «Konturen der Wende».
Es ist zwar erst etwa ein halbes Jahr seither vergangen. Aber die Analyse scheint irgendwie eine ferne Zeit zu betreffen. So sehr hat sich die Stimmung geändert. Allerdings nur die Stimmung – noch nicht die Fakten.
Weiter in «Kohlis» Text: «Die Ursachen sind bekannt und bedürfen nur einer knappen zusammenfassenden Beschreibung: Lehre, innere Ordnung und Glaubenspraxis dieser Kirche beharren auf Vorstellungen aus alter Zeit, die durch den Fortschritt der Menschheit insbesondere auf wissenschaftlichem Gebiet längst überholt und nicht mehr gültig sind.
Besonders verhängnisvoll erweist sich der vatikanische Zentralismus, der von einer strikt autoritären Ausgestaltung des Papstamtes gekennzeichnet ist und längst einen Fremdkörper in der modernen Gesellschaft bildet. Der so genannte «Heilige Vater» nimmt eine unbeschränkte Entscheidungsvollmacht in Anspruch, die man mit der nur als dreist zu bezeichnenden Behauptung rechtfertigen will, Jesus habe diese Form von Kirche gewollt und eingesetzt. Der jeweilige Nachfolger des damit beauftragten Apostel Petrus sei daher «Stellvertreter» Christi.
Das Verhalten einer Kirchenleitung, die überall hin durchzugreifen sich befugt erachtet, war in den vergangenen Jahrzehnten von einer Gesinnung ängstlich-starrer Uneinsichtigkeit bestimmt.
Die Mitglieder und insbesondere die Seelsorger der Glaubensgemeinschaft wurden einem bürokratischen System unterstellt, das mit einer Härte agierte, die teils unmenschliche Züge annahm. Mit aller Konsequenz wurde so vorgegangen, dass nur solche Männer in verantwortungsvollen Funktionen wirken dürfen, die sich diesem nur als unchristlich zu bezeichnenden totalitären Regime unterwerfen.
Bei all dem spielte eine entscheidende Rolle, dass sich extrem konservative Organisationen entscheidenden Einfluss verschafften.»
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant