Die Kirche muss sich öffnen und alte Traditionen teilweise ablegen, um Neuem Platz zu machen. Ich will nicht schlecht über die Kirche und ihre Traditionen reden oder diese abwerten, denn das Vergangene soll man würdigen und in guter Erinnerung behalten. Zudem gibt es viele Menschen, die im guten Sinne aus diesen Traditionen leben und deshalb gilt es, diese weiterhin zu pflegen. Aber auf der anderen Seite müssen Wege gefunden werden, auch Menschen, die nicht mehr kirchlich beheimatet sind, anzusprechen. Man darf diese Veränderung nicht als Bedrohung sehen, sondern viel mehr als eine Chance, um herauszufinden, was der Mensch von heute benötigt, um zu einem ganzheitlich erfüllten Leben zu finden. Eine meiner Aufgaben als Guardian wird es deshalb auch sein, den Kontakt zu Menschen zu suchen und mir ihre Anliegen anzuhören. Wir wollen und müssen den Puls der Zeit berücksichtigen und den Menschen Lebens- und Glaubensorte eröffnen.
Diese Tatsache kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe Verständnis dafür, dass junge Menschen den Weg in die Kirche kaum noch finden, denn die wenigsten von ihnen haben scheinbar die Kirche als glaubwürdig oder zeitgemäss erlebt. Zudem ist die Liturgie meiner Meinung nach manchmal schon etwas antiquiert und die Gebets- und Liturgiesprache für viele nicht mehr verständlich. Es hilft aber nichts, über leere Kirchenbänke zu klagen, denn die Menschen sind auch heute noch auf der Suche nach einem tieferen Sinn in ihrem Leben. Man muss die Menschen ernst nehmen und ihnen die Gelegenheit geben, dass sie sich mit ihren Vorstellungen ins kirchliche Geschehen einbringen können. Für mich heisst das, den Belangen und Herzensangelegenheiten der Menschen nachgehen und sie auf ihrem Glaubens- und Lebensweg begleiten. Denn das Göttliche ist in jedem von uns.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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