«In den Pausen schmissen die andern Kinder Steinchen nach mir und versuchten, mir das Tuch vom Kopf zu ziehen.» Dies erzählte die türkische Muslimin Cansu Istemihan in einem Beitrag des «Magazins» (TA, BaZ, BZ).
Mit dem Tragen des Kopftuchs wollte sie «nicht nur innerlich, sondern auch äusserlich eine Muslimin werden. Sie verstand nicht, «wieso dann die Kinder eine solche Wut gegen meine Kleidung hatten. Was schadete dies ihnen?»
Ich erinnere mich: Als etwa 19-Jähriger liess ich mir im Internat einen Schnurrbart/Schnauz wachsen. Einfach so; weil es mir gefiel. Ich war, wenn ich mich recht erinnere, der einzige der ganzen Schule.
Da musste ich eine ähnliche Erfahrung wie Cansu machen. Einige Kollegen bestürmten mich, den Bart wegzuschneiden. Als ich nicht darauf einging, geschah es in einer Mittagspause: vier Kollegen hielten mich an Armen und Beinen fest, ein fünfter rasierte mir den Bart weg. Unter ihnen war ein Kollege, mit dem ich befreundet war (meinte ich jedenfalls).
Wenn ich sie heute nach ihrem Grund fragen würden, wüssten sie wohl keine Antwort. Wie jene, die man in 40 Jahren danach fragte, warum sie so sehr gegen Kopftücher waren.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/cansus-kopftuch-und-mein-schnurrbart/