Die Armen werden immer mehr an den Rand gedrängt, in der reichen Eid-Genossen-schaft. Wie ist dies mit dem Anfang unserer Bundesverfassung zu vereinbaren:
«Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.»
Monika Stocker, die ehem. Stadtzürcher Sozialvorsteherin listet in den neusten Ausgabe der NEUEN WEGE einige höchst bedenkenswerten Fakten auf:
– Der Ständerat lehnt erneut die Forderung nach einem Rahmengesetz für Sozialhilfe ab.
– Der Kolumnist in der NZZ schreibt: «Es ist doch wünschenswert, dass die Armenfürsorge (sic) föderalistisch bleibt».
– Die Sozialvorsteherin von B (SP-Mitglied, wie sie stolz festhält) sagt: «Wir sind zur SKOS ausgetreten, weil es einfach möglich sein muss, dass sich eine Gemeinde von den Pflichten gegen Renitente abschalten kann».
– Eine grosse Tageszeitung zum Thema Sozialhilfe: «Schade, dass es nicht heftiger wurde, man hätte halt Schmarotzer einladen müssen, aber die haben halt besseres zu tun».
– Nach der Asylgesetz-Abstimmung meint ein SVP-Nationalrat: «Bei der nächsten Revision wollen wir keinen Ausbau des Rechtsschutzes, wir wollen seine Abschaffung.»
– Die Bilanz Pressekonferenz zur Sozialhilfe in der Stadt Zürich hält 72 überführte Missbräuche fest (bei 9000 Sozialhilfebeziehenden).
– Die Grossbanken UBS und CS zahlen zum vierten Mal keinen Rappen Steuern in der Grossstadt Zürich.
– Bei der Debatte im Zürcher Kantonsrat zur Sozialhilfe wird verlangt, dass der Kippeffekt zwischen working poor und der Sozialhilfe durch massive Kürzung der Sozialhilfe «behoben» werde.
Als Journalist und als nicht mehr ganz junger Mensch, der vor 40 Jahren während eines Sozial-Praktikums noch die bald darauf aussterbenden «Fürsorgerinnen» erlebt hat, stolpere ich vor allem über die Glosse des führenden Zürcher Intelligenzblattes. Wie lange geht es wohl, bis dort wieder vom «Waisenvogt» die Rede ist?
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant