Blutige Revolutionen

Die Musikfestwochen Luzern – seit dem Jahr 2000 heissen sie neudeutsch Lucerne Festival – schickte kürzlich eine Einladung zur einer Eröffnungsfeier mit dem Logo «Revolution», unterlegt mit Bluttropfen. In einem Leserbrief kündigte eine Adressatin an, die Teilnahme zu verweigern, da Revolutionen ja eine so blutige Sache seien und deshalb nicht «verherrlicht» werden sollten.
Wenn die Dame prinzipiell für Gewaltfreiheit ist, ehrt sie diese Einstellung. Wenn sie aber sich ohne Wenn und Aber hinter Armee-Einsätze stellt, ist sie alles andere als konsequent.
Zudem gebe ich zu bedenken, was Helmut Gollwitzer einst in einer provokativen Predigt über das Magnifikat sagte:    
«Erbarmungslos ergeht in den Revolutionen das Gericht über die bisher Mächtigen und Reichen. Aber eben deshalb, weil ihre bisherige Ordnung mit ihrer Ungerechtigkeit nicht weniger erbarmungslos gewesen war – was wir oft vergessen, wenn wir auf die Schrecken der Revolution starren und nicht auf das Elend und vielfach Sterben sehen, das vorher durch die Macht der Reichen und Mächtigen verschuldet worden ist.»
Ps. Vor etwa 30 Jahren habe ich «Golli» in Berlin für das «Vaterland» interviewt. Chefredaktor war damals Hermann Schlapp. Für ihn sei ich wie auch Gollwitzer ein Rotes Tuch, verriet mir der zuständige Redaktor. Zwei Rote Tücher auf einer Seite wären zu viel. So lief das ganzseitige Gespräch unter dem Namen «Hans Müller».

Walter Ludin

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