«Wenn’s auch nur Arbeit gibt für Zukunftszerstörung, Hauptsache: Es gibt Arbeit. Vernünftigeres wissen wir offenbar mit unserer Arbeitskraft nicht anzufangen, als sie für die Zerstörung unserer eigenen Zukunft einzusetzen.» Dies meinte der streitbare Berliner Theologe Helmut Gollwitzer in einer Predigt. Obwohl er sie bereits 1976 gehalten hat, ist sie nach wie vor aktuell.
«Golli», wie er auch von kirchenfernen Studenten liebevoll genannt wurde, meinte insbesondere die Arbeit im Rüstungsbereich. Dazu ein interessanter Hinweis: Bemühungen, die Betriebe zu motivieren, auf sinnvollere Güter umzustellen, nennt man «Konversion» (was ja auch «Bekehrung» heissen kann.
Ich bin jetzt sicher: Es wird mir entgegenhalten, ich könne gut reden, da ich ja nicht um meinen Job bangen müsse. Ich rede trotzdem und kämpfe gegen das Totschlag-Argument «Sicherung der Arbeitsplätze». Es ist mindestens so alt wie das Neue Testament. Golli erinnert an die Predigt des Paulus in Ephesus. Durch sie war der Kult der Lokalgöttin in Gefahr. Der Götzenschmid Demetrios wehrt sich im Namen der Religion gegen Paulus – und im Namen der Geschäftsinteressen. Golli meint nun, viele argumentierten ebenso: «nicht nur mit ihrem eigenen Gewinn, mehr noch sehr sozial mit den Arbeitsplätzen der anderen, der Armen».
Wie fexibel und damit unglaubwürdig das Argument gehandhabt wird, zeigt die Geschichte der Atomkraftwerke. Als es in der Schweiz einen Mangel an Arbeitern gab, führte ihr Bau angeblich dazu, dass Maschinen betrieben und so menschliche Arbeitskraft ersetzt werden konnte. Als es zu viele Arbeiter gab, hiess es: «Wir brauchen die Atomkraft, um die Wirtschaft in Schwung zu halten und damit Menschen Arbeit zu geben.» Was stimmte nun?
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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