Wie ehefeindlich ist die Bibel?

Ist es wirklich so klar: «Die Bibel schätzt die Ehe äusserst hoch ein.» Dies meint jedenfalls  der Kommentator, der in Christ in der Gegenwart das protestantische Ehedokument, das ich vorgestern hier erwähnt habe, scharf kritisiert:
«Ein evangelischer Text sollte sich den neutestamentlichen Weisungen des Evangeliums verpflichtet fühlen, insbesondere dem hochschätzenden Eheverständnis, wie es in der Bergpredigt bezeugt ist. Das aber wird weggewischt, geradezu ignoriert. Befremdlich ist, dass die Autoren wider den klaren exegetischen Befund – in aneinandergereihter Verknüpfung und Vermengung völlig verschiedener Sachverhalte – behaupten: «Ein normatives Verständnis der Ehe als ‹göttliche Stiftung› und eine Herleitung der traditionellen Geschlechterrollen aus der Schöpfungsordnung entsprechen nicht der Breite des biblischen Zeugnisses… In diesem Sinne ist die Ehe eine gute Gabe Gottes, die aber, wie das Neue Testament zeigt, nicht als einzige Lebensform gelten kann.»
Ist es wirklich so einfach? Gerade bei Jesus finden wir Worte, welche die Familie und damit auch die Ehe  stark relativieren: «Wer mein Wort hört, ist mir Vater, Mutter ….. – Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich …
Oder das Alte Testament: Gerade heute (ich produziere diesen Beitrag schon am Dienstag, 10. Juli) treffen wir in der Lesung der Messe Jakob mit zwei Frauen an. Nur eines von vielen Beispielen. Damit will ich nicht die Polygamie propagieren. (Obwohl: An einer Bischofssynode haben afrikanische Bischöfe erzählt, manche Frauen wünschten sich eine Nebenfrau, die ihnen bei der Feld- und Hausarbeit hilft ….) Doch: Wir dürfen nicht unsere bürgerlichen Vorstellungen in die Bibel hinein interpretieren. So behaupte ich ungeschützt …

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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