Kardinal Lehmann sieht in ethischen Fragen eine wachsende Kluft zwischen den Konfessionen. Eine bizarre, zum Teil unnötige Diskussion, meine ich.
Der Kardinal erinnert in seinem mit «Schwindender Konsens. Gefahren im ökumenischen Gespräch zur Ethik» überschriebenen Beitrag an Meinungsverschiedenheiten etwa in Fragen der Bioethik wie auch der Sterbehilfe. In letzter Zeit sei nun ein weiterer «Konfliktherd» hinzugekommen, nämlich in der Frage der Stellung zu verschiedenen Formen von Familie und nicht zuletzt zu gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften. Dieser Dissens, so Lehmann, habe nun einen unübersehbaren Ausdruck erhalten in der vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vorgelegten Orientierungshilfe «Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken».
Ich schätze den ehemaligen «Vorsitzenden», er oft genannt wurde sehr – und hatte mehrere erfreuliche Begegnungen mit ihm. Trotzdem möchte ich ihm zurufen: Lieber Bruder Karl, hören sie endlich auf mit dem Unsinn, Homo-Partnerschaften anzugreifen mit dem Vorwand, die Ehe zu verteidigen. Wie sagte so schön eine französische Ministerin einem Gegner der diesbezüglichen Partnerschafts-Vorlage: «Was nehme ich Ihnen weg?»
Ausserdem: Der genannte Dissens mag ärgerlich sein, vor allem auch im Blick auf die Öffentlichkeit. Aber hinter dem Jammer steht auf katholische Seite doch immer die unausgesprochene Meinung: «Warum denken die Protestanten nicht mehr so wie wir?»
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant