Wer ist Jesus?

 Die Frage «Wer ist Jesus» ist gar nicht einfach zu beantworten. Denn eines ist sicher: «Jesus sprengt alle Schemen.»
Noch etwas Wichtiges: Wir sagen richtig «Jesus ist Gott und Mensch.» Doch wenn wir seine Göttlichkeit in den Vordergrund stellen, vergessen wir, dass er ein richtiger Mensch war; und umgekehrt: Wenn wir seine Göttlichkeit betonen, vergessen wir leicht seine Menschlichkeit.
Ich möchte hier nur vier kurze Bemerkungen machen, die die vor allem seine Menschlichkeit im Auge haben vielleicht das eine oder andere Schema in Frage stellen.
·       Zuerst: Jesus war Laie. Er hat kein Amt in der damaligen religiösen Hierarchie. Ja er stand dieser kritisch gegenüber. Und Jesus trug als Laie ganz bestimmt keine klerikale Kleidung. Er trat als normaler Mensch unter Menschen auf.
·       Dann: Wir beten zwar am Herz-Jesu-Freitag: «Jesus, sanft und demütig von Herzen, bilde unser Herz nach Deinem Herzen.»  Sicher, ein schönes, ja inniges Gebet. Aber es lässt vergessen, dass Jesus nicht bloss der Sanfte war. Er konnte zornig werden über die Verstocktheit der Menschen. Er stritt mit den Vertretern des religiösen Establishments. Ja, er jagte voll Zorn die Händler aus dem Tempel.
·       Weiter: Der deutsche Dichter und Pfarrer Lothar Zenetti hat den anstössigen Zwei-Zeiler gedichtet: «Dem ärmsten Luder wird er Bruder.» So konnte ein alter Bekannter von mir, der Wiener Adolf Holl das Buch schreiben: «Jesus in schlechter Gesellschaft.»
·       Und schliesslich: Es gab mal die nicht sehr erleuchtete Debatte zur Frage, ob Jesus gelacht habe. Da kann man nur darauf hinweisen, dass er mit seinen Jüngern öfters eingeladen wurde zu – wir würden heute sagen – Partys. Wäre er ein Griesgram gewesen, hätte man ihn bestimmt nicht eingeladen. Ja, Jesus war sicher ein fröhlicher, geselliger Mensch.
(…)
Zum Schluss das Wichtigste: Es genügt nicht, dogmatisch richtige Antworten zu geben auf die Frage: Wer ist Jesus? Sonst handeln wir vielleicht nach dem Motto: «Lobet den Herrn – und haltet ihn fern.» Nein, ausser dem Bekenntnis ist die Nachfolge wichtig. Jesus will keine Bewunderer. Er will Nachfolger.
Wichtig ist ebenso, eine persönliche Beziehung zum ihm aufzubauen. Wie der bereits zitierte Dichter Lothar Zenetti es in seinem Gedicht: «Mein Jesus» ausgedrückt hat:
Wer Jesus für mich ist? Einer, der für mich ist. Was ich von Jesus halte? Dass er mich hält.
(Predigt in Hildisrieden LU; Sa 19.15, So 9.30 Uhr)

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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