«Wir Schweizer Banker haben Banking nie mit Moral betrieben. Das ist die Schweizer Art des Banking. Unsere Haltung war doch immer: Wir bieten euch Hilfe bei der Steuerhinterziehung. Wenn ihr damit ein Problem habt, müsst ihr es nicht machen. Das war doch immer das Schweizer Geschäftsmodell.»
Dies sagte ein Privat Banker in einem Interview mit dem Magazin des Tages-Anzeigers. Es erschien bereits vor vier Jahren. Ich habe den Artikel aus aktuellem Anlass aus der Schublade gezogen. Wenn man die zitierten Aussagen auf dem Hintergrund der Parlaments-Debatten liest, greift man sich an den Kopf. So heisst es weiter:
«Meine Kunden, Leute, die über 50 Millionen haben, das sind keine Idioten … Aber sie befanden sich in einer ganz eigenen Dynamik. Wir wollten gar nicht unsern Verstand anschalten.»
Ein anderer Banker sagt ganz ehrlich: «Geld ermöglicht dir, sein Selbstverwirklichungspotential zu entfalten. In unserer Gesellschaft ist es ein Zeichen für Erfolg. Es macht dich sozusagen zu einem besseren Menschen.»
Oder ganz schön bunt: «Ich habe schon Leute getroffen, die jährlich Abermillionen Steuern bezahlen. Wenn es jetzt halt ein paar Millionen weniger sind – ihre Entscheidung.»
Man stelle sich vor: Otto-Normal-Steuerzahler braucht dieses Argument …
PS. Als das Schweizer Volk 1984 in einer Abstimmung des Bankgeheimnis rettete, war ich gerade in Buenos Aires. Der Provinzial (später sogar Präsident der lateinamerikanischen Ordensobernvereinigung) rief entrüstet aus: «Jetzt können unsere Gauner weiterhin ihr Geld in der Schweiz verstecken.»
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/geld-macht-dich-zu-einem-besseren-menschen/