Es ist zu einem beliebten Hobby ewig Gestriger geworden, gegen den «Zeitgeist» zu wettern; zum Beispiel am Hof von Chur. Wenn der Churer Theologieprofessor Hanspeter Schmitt in einem KIPA-Beitrag darüber schreibt, hat er in nächster Nähe Anschauungsmaterial.
Zuerst findet Schmitt es «vollends unverständlich, wenn einige kirchliche Kreise den modernen Liberalismus für ihr eigenes Gebaren beanspruchen, um – just auf dieser Grundlage – den «Zeitgeist» bekämpfen zu wollen. Diesbezüglich hat sich der Churer Bistumssprecher Giuseppe Gracia in den letzten Monaten wiederholt hervorgetan.» Er berufe sich wortreich auf die europäische Freiheitsidee.
Schmitt entgegnet: «Erstens will diese Idee, dass alle Menschen in Anerkennung und humaner Freiheit leben dürfen, auch jene, die angeblich dem «Zeitgeist» verfallen sind. Zweitens ist solche Freiheit nicht allein im öffentlichen Bereich zu wahren, sondern auch innerhalb einzelner Institutionen, zum Beispiel im Raum der Kirche, wovon Gracia, wie man bei ihm lesen kann, nicht viel hält.»
Freiheit für sich zu fordern, für andere aber nicht zu beachten, tauge nicht als Medizin für bessere, sprich glaub- und menschenwürdige Zeiten.
Schmitt nennt «auffallende Zeichen der Zeit» – positive wie negative: «Konsum, Sinnleere, Umwelt-, Armutsprobleme, aber genauso demokratisches Bewusstsein, globale Orientierung, Freude an Kunst, Sport, Literatur und fremden Kulturen» Diese widersprüchlichen Phänomene würden kompetente Zeitdiagnosen; oder mit Paulus gesprochen die «Unterscheidung der Geister».
Ein solch differenziertes Denken kann mühsam sein. Und weniger Applaus ernten bei Leuten, die sich das Denken abgewöhnt haben und blind auf «Autoritäten» vertrauen.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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