»Wenn mich Firmlinge zum Frauenpriestertum fragten, habe ich bisher immer gesagt, ich weiss nicht, ob die Kirche das ändern kann, ob sie die Vollmacht dazu hat. Aber ich weiss auch nicht, was der Geist Gottes mit der Kirche im 3. Jahrtausend tut, das weiss auch der Papst nicht.»
So sprach Kardinal Lehmann (zitiert bei Giancarlo Zizola). Er sprach so vor 1994. Doch da kam es päpstliche Schreiben gegen das Frauenpriestertum. Plötzlich musste man anerkennen, dass der Papst durchaus weiss, was in den folgenden Jahrtausenden geschehen darf; nämlich: nicht über das Frauenpriestertum reden. Und der gute Kardinal Karl wurde von Rom zurückgepfiffen. Er musste betonen, die dt. Bischöfe seien «eng mit dem Nachfolger Petri verbunden.»
Noch eine Fundstelle aus Giancarlos Buch, ein Zitat von Kardinal König, der nach dem plötzlichen Tod von Johannes Paul I. meinte: «Es ist notwendig, das Gewicht des päpstlichen Amtes zu verringern, gewisse Funktionen auf andere zu übertragen, damit die Grenzen der für ein menschliches Wesen ertragbaren Belastung nicht überschritten werden.»
Ironie des Schicksals: Dank dem Wiener Kardinal wurde ein Pole Papst, der das Gewicht seines Amtes so sehr verstärkte, wie kaum einer seiner Vorgänger.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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