In den letzten Wochen schauten alle – auch wir! – nach Rom. Und wieder einmal entstand der Eindruck, (fast) alles in der (katholischen) Kirche hänge vom Papst ab. Dabei geht vieles unter, was ebenso und noch wesentlicher zur Kirche gehört; zum Beispiel der todesmutige Einsatz für Bedrohte. So wie ihn eine «alte» Bekannte von mir, eine Baldegger Schwester in Papua-Neuguinea leistet. (Leider fand ich erst heute den folgenden Artikel aus 20minuten online; von der Sache hatte ich sozusagen aus erster Quelle schon gehört.)
Was in Europa mit der Hinrichtung von Anna Göldi endete, findet am anderen Ende der Welt, 13 000 Kilometer von der Schweiz entfernt, noch immer statt. In Papua-Neuguinea werden Frauen als Hexen gebrandmarkt, gefoltert und getötet. Seit nunmehr über 40 Jahren kämpft eine Schweizer Nonne an vorderster Front gegen diese sogenannte «Sanguma». Es ist Schwester Gaudentia Meier, 74 Jahre alt, aufgewachsen im Freiamt im Kanton Aargau und Mitglied der Schwesterngemeinschaft von Baldegg. Im Jahr 1969 kam sie nach Papua-Neuguinea, um als Lehrerin an Primarschulen und in der Krankenpflege zu arbeiten. Seitdem hat sie das Land nicht verlassen.
«Wir bleiben normalerweise so lange wie es die Gesundheit zulässt und unsere Präsenz nötig ist», sagt Schwester Gautentia gegenüber 20 Minuten Online. Und die Präsenz der Schwester ist heute, wie eine Reportage des australischen Onlinemagazins The Global Mail zeigt, mehr denn nötig: «Es hat in Papua-Neuguinea schon immer Sanguma gegeben. Aber so schlimm wie heute, war es noch nie», sagt die Schwester.
Um die Frauen zu retten, setzt sie ihr Leben aufs Spiel. So zum Beispiel bei der 40-jährigen Angela (Name geändert), Mutter eines kleinen Jungen. Die junge Frau wurde von zwei Inquisitoren für den ungeklärten Tod von zwei jungen Männern verantwortlich gemacht. Angela soll sie mit schwarzer Magie umgebracht haben. «Wenn die Menschen sterben, speziell junge Männer, dann fragen die Leute nicht, was, sondern wer ist für deren Tod verantwortlich», sagt Anthropologe Philip Gibs, Katholischer Priester und Spezialist für Hexerei in der «Global Mail».
Schwester Gaudentia konnte Angela schlussendlich aber nicht helfen. Sie wurde inmitten einer aufgebrachten Meute auf einem öffentlichen Platz zu Tode gequält. 600 Menschen, darunter auch Kinder, schauten zu, wie sich glühend heisse Eisen in ihr Fleisch brannten. Schwester Gaudentia versuchte dazwischenzugehen, doch alles Schreien brachte nichts. Die Peiniger liessen nicht von Angela ab. Schwester Gaudentia betete daraufhin mit einigen Gläubigen den Rosenkranz.
Doch nicht immer ist die Schwester machtlos. «In einem anderen Fall wurde die Frau gefoltert und so verletzt, dass sie sicher gestorben wäre, hätte sie nicht jemand im Verborgenen zu uns gebracht, wo wir sie versteckten und so pflegen konnten.» Doch dies seien leider Einzelfälle. Angst, bei ihren Rettungsaktionen selber verletzt oder gar getötet zu werden, hat die Nonne nicht. «Ich habe keine Angst, für Gerechtigkeit einzustehen, wenn es nötig ist.» Gemäss der Schwester machen besonders junge, drogenabhängige Männer Jagd auf «Hexen». Schwester Gaudentia nennt sie die «Marihuana Boys».
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«Hoffen wir, dass wir durch unseren Einsatz und unsere Gegenwart doch etwas zu einer menschlicheren Welt beitragen können», sagt Schwester Gaudentia.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/auch-sie-ist-kirche-eine-mutige-baldegger-schwester/