Messe lesen ....

… oder Eucharistie feiern?

 Auch ein älterer Priester, der geistig nicht mehr so vif ist (oder ein junger, der nichts von der gegenwärtigen Lebenswelt versteht; solche soll es geben!) kann Messe lesen; aber wohl nicht mehr Eucharistie feiern. Dies meint einer meiner Mitbrüder.
Daran dachte ich, als ich von den Übersetzungen liturgischer Texte las, die sich nach römischem Wunsch wieder stark ans Latein anlehnen – und darum schwer verständlich sind. Da hilft nur eins: Der Priester muss selber denken und selber formulieren! Darf er das? Ja, heisst es in der «Christ in der Gegenwart». Dies entspreche sogar guter alter Tradition:
 »Um die Eucharistie aus einer liturgischen Sonderwelt zu befreien, könnte es helfen, zu den Prinzipien, also zu den Grundlagen und Anfängen – so die wörtliche Übersetzung des lateinischen principium – der Kirche zurückzukehren. Der Linzer Liturgiewissenschaftler Ewald Volgger erinnert in dem erwähnten Sammelband an den 347 geborenen Kirchenvater Hieronymus. Als ihn ein Diakon um eine Vorlage für einen feierlichen Osterlobpreis bat, wies er diesen darauf hin, «dass er dazu geweiht worden sei, Gebetstexte beziehungsweise Lobpreisungen selbst zu verfassen». Die Weihe zur Gemeindeleitung befähigte also zum freien Vorbeten gemäss der rechten Lehre der Kirche und nicht zum blossen Ablesen von Texten. Dies beschränkte sich keineswegs auf Randgebete, sondern betraf gerade auch die Eucharistie. «Die Begabung zur freien beziehungsweise situationsbedingten Formulierung des Eucharistiegebetes ist dokumentiert in der Traditio Apostolica, aus der die Vorlage für das heutige Hochgebet II stammt», erläutert Volgger. «Der jeweilige Vorsteher der Eucharistiefeier solle das Gebet je neu formulieren: Ob lang, ob kurz, je nach Fähigkeit, entscheidend aber ist … – dass es von gesunder Rechtgläubigkeit ist.»
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Im Hochgebet spreche ich im Einsetzungsbericht statt von «Jüngern», von «Freunden» Jesu. Dies dürfe ich nicht, meinte eine Dame, die protestierend in die Sakristei kam. Und sie wisse schon, warum ich Texte abändere. Ich sei halt ein alter 68-er und möchte die Leute zum Denken anregen. Schlimm, ganz schlimm! Und dies in der Liturgie …

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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