Das Kreuz

«süsses Holz» oder Folterwerkzeug?

Ein paar Bemerkungen zu: Das Kreuz Jesu als Sinnbild.
Wir alle sehen es fast Tag für Tag: Das Kreuz ist zu einem modischen Symbol verkommen. Es ziert auch den Hals so mancher Frau, die überhaupt keinen Bezug zum Glauben haben. Es ist einfach ästhetisch, ein willkommenes Accessoire …
Doch selbst dort, wo das Kreuz als Zeichen des Glaubens steht, kann es problematisch sein. Ein Gast, der in eines unserer Klöster kam, weigerte sich, am Tisch mit Blick auf das Kruzifix zu sitzen. Er war über uns entsetzt: «Wie könnt ihr hier so gemütlich essen, wo doch das Bild eines brutal geschundenen Menschen vor euren Augen steht?»
Der Gast, ein junger Mann, war nicht besonders gläubig. Aber er hat das Kruzifix ernster genommen als wir alle. Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, dass wir sogar wagen, in einem Hymnus zu singen: «O süsses Holz, an dem das Heil der Welt gehangen.» Stellen wir uns vor, wir stünden unter dem Kreuz auf Golgotha und würden Jesus mit den Worten trösten: «Dein Kreuz ist doch so süss.» So etwas wäre absurd. Nein, das Kreuz ist und bleibt ein brutales Folter- und Todesinstrument.
Erst dann, wenn wir es nicht verniedlichen, können wir Jesus genügend dankbar sein für das, was er für uns getan hat.»
(Kloster Gerlisberg, Luzern    15 Uhr)

Walter Ludin

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