Abschied ..

… von der monarchisch regierten Kirche?(Nochmals aus dem Politi-Inter; s. Blog vom Samstag)Gierth: Benedikt XVI. ist es ja nicht gelungen, eine Kurienreform vorzunehmen. Ist der Vatikan überhaupt reformierbar – oder einmal anders gefragt: Wie lange kann ein solches System überleben, wenn es sich keiner Reform unterzieht?
Politi: Der ehemalige Ministerpräsident Italiens Giulio Andreotti, ein Christdemokrat, der den Vatikan immer sehr gut kannte – und auch die Päpste, hat einmal gesagt, es gibt gewisse Pontifikate, die sind so wie die Autobahnkehren und Autobahnkreuzungen, dass man von einer Richtung in die andere geht. In diesem Falle kann man sagen, dass das Pontifikat von Benedikt XVI. zeigt, dass die Kirche nicht mehr auf monarchische Weise regiert werden kann. Das Problem heute ist nicht mehr eine Reform der Kurie sondern eine Reform des Papsttums. 500 Jahre lang nach dem Konzil in Trient war das Papsttum eine absolutistische Monarchie. Selbst Kardinal Ratzinger hat gesagt, wenige Wochen vor seiner Wahl, die Kirche kann nicht mehr in dieser Zeit in monarchischer Weise regiert werden. Aber er hat nichts getan, um die Kollegialität in der Kirche zu entwickeln. Und das bedeutet, dass die Bischöfe und vor allem auch die Kardinäle in die Regierung der Kirche mit einbezogen werden müssen. Heute sieht man, dass eine so große Weltkirche nicht mehr von einem einzelnen Mann und auch einem – sei er noch so gut organisiert – Kurienapparat regiert werden kann. Und in diesem Moment ist auch der Kurienapparat nicht auf der Höhe seiner Aufgaben.
Gierth: Aber warum hat Benedikt, wenn er dieses Manko erkannt hat, seiner Ankündigung keine Taten folgen lassen?
Politi: Ich kann da keine Erklärung geben. Ich kann das nur erzählen. Papst Benedikt hat auch gesagt, wenige Stunden nach seiner Wahl, es ist der Ehrgeiz des neuen Papstes konkrete Schritte auf dem Feld der Ökumene zu machen. Es ist aber nicht geschehen. Und er hat auch nicht den Ansatz weiterentwickelt, der schon in der Enzyklika von Johannes Paul II. war – Ut unum sint, damit alle einigt seien, in dem der Papst Wojtyla sagte: es ist die Zeit gekommen, die Führer der anderen christlichen Kirche an einen Tisch zu bringen, um zusammen über die Rolle des Bischofs von Rom nachzudenken. Das ist alles steckengeblieben.

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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