Oder etwa doch?(Ich beginne mit meinem Aphorismus: «Bisher ist die Welt noch selten untergegangen.» …. Alle unter uns, die nicht mehr ganz jung sind, erinnern uns an einen Weltuntergang, der in unserer Jugend angekündigt wurde. Im Internet fand ich dazu die spöttische Bemerkung eines 72-Jährigen: «Ich habe schon zwei Weltuntergänge miterlebt und sehe dem Nächsten gelassen entgegen. Mein erster miterlebter Weltuntergang könnte um 1960 gewesen sein.»
Dann im 3., letzten Teil: Vergessen wir nicht eine äusserst aktuelle Art von Weltuntergängen: die ökologischen Bedrohungen unseres Planeten/oder konkreter das Artensterben. Darüber könnte/müsste man stundenlang reden. Nur eine ganz einfache Statistik: Man schätzt, dass pro Tag etwa 100 Tier- und Pflanzenarten verschwinden. Gewiss, das Artensterben ist an sich ein natürlicher Vorgang. Es hat ihn schon immer gegeben. Heute aber geht 100 oder sogar 1000mal schneller vor sich als normal wäre.Die Gründe können Sie selber so gut wie ich: Unser Lebensstil, der keine Rücksicht nimmt auf unsere Mit-Geschöpfe; ein Streben nach Wohlstand und Luxus, das sich nicht an die natürlichen Grenzen hält. Sie haben es sicher schon gehört/entschuldigen Sie, wenn ich es wiederhole: Wenn alle Menschen so leben würden wie wir, bräuchte die Menschheit drei Planeten.Viele leben in den Industriestaaten nach dem Motto: «Après nous la déluge/nach uns die Sintflut».Ich möchte hier aber nicht mit einem bedrohlichen Szenario schliessen. Gerade das biblische Bild der Sintflut kann uns Hoffnung schenken. Ich habe dazu eine sehr schöne Geschichte gelesen:In einem Pfarrsaal wurde über die Sintflut ein Singspiel aufgeführt. Gegen Ende erschien eine Taube, welche die Botschaft von der Rettung der Welt andeutete. Dann sollte wie in der biblischen Geschichte ein Regenbogen aufgehen. Ein breites Tuch mit der Regenbogenfahne sollte sich über die Bühne entfalten. Leider funktionierte die Technik nicht. Dann stieg die Regisseurin des Spiels auf eine Leiter und liess mit grosser Mühe den Regenbogen erscheinen.Der Erzähler der Geschichte meint, dieser Schluss sei höchst sinnvoll gewesen. Denn oft bringe Gott nicht von sich aus allein die Rettung. Die Menschen müssten sich selber auch anstrengen. Denn: «Sicher, wir erwarten, dass Friede und Zukunft von oben kommen und so sich unter uns entfalten. Aber manchmal ist es sehr gut, wenn eine Frau mit einer Leiter eine helfende Hand reicht.»(Mettau AG, 10.00 Uhr)
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant