Das Konzil und der heilige Josef

Am 10. November 1962 berichtet Yves Congar eher resigniert von den Reden in der Konzilsaula. Dem Konzil fehle es an Methode. «Es hätte nicht nur durch Kommissionen in Rom vorbereitet werden dürfen, sondern DURCH DIE BISCHÖFE, die in Konferenzen hätten zusammenkommen müssen. Mangels solcher Vorbereitungen steht man nun vor 2400 Personen, die bei null anfangen und ihre Lehrlingszeit und ihre Versuche durchmachen müssen, um den Preis von kostbaren Wochen» (Co 1,201). Bereits Ende Oktober hatte Congar geschrieben: «Die Bar ist übervoll. Auf allen Lippen nur ein Wort: das geht zu lang» (Co 1,173).
Am Ende der Sitzung vom 10. November kann man das wenigstens noch humorvoll sehen. Der italienische Bischof Antonio Tedde spricht lang und breit über die Verehrung des heiligen Josef. Diesmal ist es der Tagesvorsitzende Ernesto Kardinal Ruffini, der interveniert: Alle Bischöfe seien gewohnt zu predigen, und den Predigern sollten besser keine Predigten gehalten werden (vgl. AS 1/2,483). Nicht in den Konzilsakten vermerkt ist, was Congar registriert: Ruffini habe am Ende der Sitzung an die üblichen Gebete – mit einer Prise Humor – noch eine Anrufung des heiligen Josef angefügt.Wenige Tage später kommt der heilige Josef nochmals zum Zuge. Sein Name wird kraft einer Entscheidung Johannes› XXIII. ab dem 8. Dezember in den Messkanon eingefügt. Congar registriert konsternierte Reaktionen bei den Beobachtern, weniger wegen der Sache als wegen des Vorgehens. Es wird als misslich empfunden, dass der Papst mitten auf dem Konzil und während der Debatte über die Liturgie allein mit seiner Autorität am Konzil vorbei etwas entscheidet, dessen Opportunität zudem noch zweifelhaft ist (vgl. Co 1,207).(emf)

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