Congar und die nichtkatholischen Beobachter

Am 8. November 1962 ist P. Yves Congar OP bei den Brüdern von Taizé zu Gast. Sie bewohnen ein Appartement in der via del Plebiscito gegenüber dem Palazzo di Venezia. Wie Congar bemerkt, haben sie dort die ihnen eigentümliche Atmosphäre geschaffen. Sie haben bei fast allen Mahlzeiten Gäste, Bischöfe und Theologen. Congar sieht darin ein «Konzil» des informellen Austauschs und der Freundschaften, welches das Klima für das eigentliche Konzil stiftet. Die Taizébrüder bekennen sich dazu, sie wollten «MIT dem Papst und Kardinal Bea das Risiko tragen, dass diese mutig auf sich genommen haben, indem sie das Konzil derart für die Beobachter geöffnet haben» (Co 1,196).Congar hatte noch am 23. Oktober 1962 für sich selbst beklagt, dass er ausserhalb der Zusammenkünfte zu wenig Kontakt mit den Beobachtern habe. Er hält das Angelicum, wo er seine Unterkunft hat, für ungeeignet, sie dorthin einzuladen. «Man lädt hierher nur Kleriker ein, im Rahmen von ziemlich strengen Regeln und Gewohnheiten» (Co 1,143). In der Folge finden sich aber immer wieder Zeugnisse von Kontakten zu den Beobachtern. Am 7. November 1962 geht Congar mit Edmund Schlink und seinem Assistenten Reinhard Slenczka sowie Lukas Vischer bei deutschen Diakonissen zum Mittagessen. Man trifft sich zudem an der «Konzilsbar», wo sich Congar mit Oscar Cullmann über die eigenen theologischen Projekte austauscht. Congar ist ohnehin einer derjenigen, die alles tun, um die Beobachter zu hören und ins Gespräch zu bringen. Als er zu Konzilsbeginn ihm bekannte Beobachter einigen Bischöfen vorstellt, singt er – so bezeichnet er es selbst – wieder und wieder seine «Antiphon: es ist wichtig, den Beobachtern zu begegnen, sie zu ermutigen, mit ihnen zu sprechen» (Co 1,112). Er selbst ist sehr bewegt, dass sie da sind: «Sie sind in Rom, empfangen durch einen Kardinal und bei einem Organ, das dem Dialog gewidmet ist – und das 25 Jahre nach Erscheinen von ‹Chrétiens désunis› [Congars Buch: ‹Getrennte Christen›]» (Co 1,118).(emf)

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