… einfach ignorieren?Im Zusammenhang mit Vatileaks heisst es in einem Kommentar der österreichischen Zeitung DER STANDARD:» …Das Gravierendste im ganzen Konvolut ist wohl die Enthüllung, dass die Kurie inklusive des damaligen Papstes Johannes Paul II. von den Missbrauchstaten des mexikanischen Gründers der ultrafrommen Gruppe «Legionäre Christi» gewusst haben soll, aber nicht reagiert hat.
Das Bild, das sich ergibt, ist das einer heillos überforderten Führungsmannschaft und eines Papstes, der sich lieber seinen gelehrten theologischen Studien widmen würde als den Intrigen und Querelen seiner Kurie. Dazu kommt eine Mentalität, die offenbar auf weite Strecken die Entwicklung der letzten Jahrzehnte nicht verarbeitet hat. Die Exkommunikation der ultrakonservativen Piusbruderschaft wird aufgehoben. Dass sich zeitgleich einer von deren Bischöfen als Holocaustleugner geoutet hat, fällt niemandem auf oder wird als nicht wichtig erachtet. Am polnischen Redemptoristenpater Tadeusz Rydzyk, Chef des offen antisemitischen Senders Radio Maria, wird bedingungslos festgehalten, aber jede bischöfliche Äußerung in Richtung Zölibat lockern oder Frauen weihen wird vom weltweit tätigen vatikanischen Informationsdienst sofort bemerkt und geahndet.
Keine guten Zeiten für die katholische Kirche. Kein Wunder, dass viele treue Kirchenmitglieder vor allem in Europa gar nicht so genau wissen wollen, was sich in ihrer Zentrale so tut. Rom? Am besten: einfach ignorieren. (Barbara Coudenhove-Kalergi, DER STANDARD, 18.10.2012)——————So gesehen müsste der Vatikan und die so genannt «Papsttreuen» für jede Kritik an der obersten Kirchenleitung dankbar sein, weil man diese noch ernst nimmt ……
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant