«Mache uns sehend»(3.) Wir sind blind, indem wir uns selber nicht im richtigen Licht sehen. Wir sind oft auch blind gegenüber unseren Mitmenschen. Es gibt dafür tragische Beispiele. Wie oft ist es schon vorgekommen, dass jemand einen Suizid/Selbsttötungsversuch unternommen hat. Wenn er davon kam, müssen solche Menschen oft den Vorwurf hören: «Warum hast du uns nicht gesagt, dass es dir schlecht geht?»Sie haben vielleicht tatsächlich sich keinem Menschen anvertraut. Aber es wäre offensichtlich gewesen, dass mit ihnen etwas nicht stimmt, weil sie traurig waren, depressiv, mutlos. Doch niemand in ihrer Umgebung hatte ein Auge dafür. Jeder und jede waren mit ihren Problemen so beschäftigt, dass sie die weitaus grössern Probleme ihres Nächsten nicht sahen – blind waren.Sicher, (wie eingangs erwähnt sind wir aufgefordert und eingeladen, unsere Bedürfnisse zu formulieren. Aber wenn es jemandem sehr, sehr schlecht geht, fehlt ihm die Kraft dazu.Sie kennen sicher das berühmte Wort von Antoine de St. Exupéry und seinem Kleinen Prinzen: «Man sieht nur mit dem Herzen gut.» In Situationen, wie ich sie soeben beschrieben habe, trifft dies ganz besonders zu. Nur wenn wir offene Herzen haben, sind wir fähig, unsere Nächsten zu sehen; ihre Nöte und Bedürfnisse zu entdecken.Es gibt da die Geschichte zweier Bauern, die miteinander befreundet sind. Der eine sieht, dass der andere nicht glücklich ist und fragt ihn einfühlsam: «Was fehlt dir?»Die Antwort: «Wenn du wirklich mein Freund wärst, würdest du spüren, was mir fehlt.»Elisabethenheim, Luzern, 9.45
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant