Keine Patentrezepte eines Vatikan-KennersDer Jesuit Eberhard von Gemmingen, viele Jahre Leiter von Radio Vatikan, dt. Abteilung, hielt kürzlich ein Bayern ein Referat über die Kirchenkrise. Aus einem Bericht meines liebenswürdigen und hilfsbereiten Journalisten-Kollegen (Ich durfte öfters mit ihm in die Stadt Rom mitfahren, wenn wir während den Bischofs-Symposien weit draussen Pressekonferenzen hatten …) …. Wer sich Antworten oder Patentrezepte erwartet hatte, musste schnell erkennen, dass der ausgewiesene Vatikan-Experte damit nicht dienen kann. Den Grund für die Krise des Christentums in Mitteleuropa sieht der einem badischen Adelsgeschlecht entstammende Jesuit in einem Säkularisierungsschub, der – tragischerweise – genau mit dem vor 50 Jahren eröffneten Zweiten Vatikanischen Konzil zusammen gefallen sei. Nicht das Konzil habe aber den Negativtrend für das Christentum in Europa eingeleitet, genauso wenig wie die nur teilweise Umsetzung der damals beschlossenen Reformen.
Früher, so von Gemmingen, seien die Menschen ganz selbstverständlich in die Kirche hineingewachsen, genau wie in Familie und Staat. Diese Zeit sei wohl endgültig vorbei. Heute fehle vielen Eltern und Kindern schon das Grundwissen in religiösen Fragen. Die Herausforderung bestehe also darin, wie junge Menschen freiwillig zum Glauben finden können, wenn sie nicht automatisch hineinwachsen.
Keine Lösung aus Rom
Der frühere Leiter der deutschsprachigen Redaktion von «Radio Vatikan» machte klar, dass die Lösung dieses Problems nicht aus Rom kommen wird. Zumal es große Mentalitätsunterschiede zwischen den europäischen Christen gebe. Der Pater sieht vier große Gruppen: die pragmatisch orientierten Angelsachsen, die mystisch ausgerichteten Slawen, flexibel agierende Romanen und prinzipientreue, aber völlig unflexible Germanen.
Mentalitätsunterschiede
Im Endeffekt hätten Mentalitätsunterschiede auch beim Zweiten Vatikanum eine Rolle gespielt, und zwar in Form eines kleinen Kulturkampfes zwischen dem aufgeklärteren Norden und dem wenig aufgeklärten Süden Europas. Theologisch wie liturgisch sei das Konzil von den französisch- und deutschsprachigen Ländern geprägt worden. In Italien würde die Messe wohl heute noch so wie früher gefeiert, wenn es das Vatikanum nicht gegeben hätte, weil die Menschen dort eben anders ticken, wie der Pater feststellte.———————-Da stellen sich doch einige Fragen wie z.B.: Sind wir Germanen/Alemannen wirklich so unflexibel ….?
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant