Eifersucht und Ehrgeiz

«Wir Weissen sind die Besseren»Schauen wir den ersten Satz des heutigen Abschnitts aus dem Jakobusbrief anschauen: «Wo Eifersucht und Ehrgeiz herrschen, da gibt es Unruhe und jede Art von Schlechtigkeit.» Es ist ganz klar: Jakobus meint mit «Eifersucht und Ehrgeiz» den Streit um die Frage, wer grösser, besser, erfolgreicher ist; vielleicht auch schöner und eleganter.Jakobus spricht sogar von Kriegen. Er meint damit die Streitigkeiten untereinander, in der Familie, in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz. Vielleicht meint er auch die Kriege zwischen den Völkern.Es fällt mir auf, dass wir zwar viel von kriegerischen Auseinandersetzungen, vom Blutvergiessen in den verschiedensten Weltgegenden hören, sehen und lesen. Aber kaum jemals werden wir über die tieferen Ursachen der Kriege informiert. Wie oft haben wir schon gehört Sätze gehört wie: «1939 brach der Zweite Weltkrieg aus.» Ein Krieg bricht aus. Ich stelle mir jeweils die Frage: «Von wem? Von wem brach der Krieg aus?» Im Falle des 2. Weltkriegs ist die Antwort einfach: von Hitler. Er und das von ihm verführte Volk wollte «mehr Lebensraum im Osten». Man wusste zwar, dass dieser Lebensraum schon besetzt war. Aber die dort lebenden Völker waren nicht Germanen, es waren Slawen; für die Nazis ein Volk von Untermenschen. Solchen wertlosen Menschen durfte man ohne ein schlechtes Gewissen zu haben das Land wegnehmen. So einfach war die Logik.Nun, ich muss hier nicht einen Vortrag über den 2. Weltkrieg halten. Aber dieses Thema erklärt sehr gut die Frage, woher Kriege kommen; welches die Ursache von gesellschaftlichen Konflikten sind; damals wie heute. Nämlich: Die andern werden zuerst schlecht gemacht. Dann dürfen wir uns auf ihre Kosten ausbreiten; ihnen die Rechte verweigern. Denn wir sind besser als sie.Um aktuell zu werden: Wir – die Weissen – sind besser, wertvoller als die Schwarzen, die Gelben. Seien wir ehrlich: Dies ist nicht nur die Auffassung von unverbesserlichen Rassisten. Wir alle haben irgendwo in einem Winkel unseres Herzens solche Vorstellungen.Als ich vor 25 Jahren erstmals in Afrika war, habe ich mit Schrecken bemerkt, wie ich auch irgendwie so fühle. Plötzlich hat sich ein Eiterzahn bemerkbar gemacht, mit daraus folgendem Herzflattern. Ich dachte: «Wenn es nicht bessert, fliege ich heim. Denn die afrikanischen Spitäler sind nicht die vertrauenswürdigsten.»Doch da fiel mir ein: Wenn ein afrikanischer Mitbruder, oder ein einheimischer Bauern krank wird: Werden auch sie in ein gutes Schweizer Spital geflogen? Haben sie nicht auch Anrecht auf die gleiche teuere Behandlung? Und ich spürte: Weil ich ein Weisser bin, nehme ich etwas in Anspruch, was für die Schwarzen unmöglich ist.(Grosswangen, SA 17 Uhr)

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/eifersucht-und-ehrgeiz/