öffnen – schliessen – öffnen«Franziskaner Mission», die Zeitschrift der dt. Franziskaner, widmete eine ganze, sehr lesenswerte Nummer dem Konzil. Ich hatte die Ehre, auf der Mittelseite einen kurzen Text zu verfassen – zu einem Bild, das eine zugemauerte lateinamerikanische Kirche zeigt. Hier ist er:Öffnen – schliessen– öffnenEs war einmal eine Weltkirche: eine feste, uneinnehmbare Burg. Wer darin sass, war stolz, dass er nicht draussen stand. Und die Insassen waren dafür dankbar, dass die Kommandeure der Burgfestung die Zugbrücke fast immer hochgeklappt hielten. Sie liessen auch die Fenster geschlossen. Zwar konnte durch diese Vorsichtsmassnahmen nichts Übles ins Haus eindringen. Doch allmählich wurde die Luft in den fest geschlossenen Räumen stickig. Da kam der oberste Befehlshaber auf die Idee: «Öffnen wir die Fenster!»Und so geschah es. Die ältere Generation erinnert sich noch gut daran. Sie ist bis heute dem guten Papst Johannes XXIII. dankbar, dass er nicht nur die Kirchenfenster öffnete. Sie freut sich, dass er auch die Zugbrücke herunterliess. So wurde die Kirche einladend, offen und lebendiger.Ja leider: «Es war einmal.» Denn inzwischen übernahmen andere die Hauptverantwortung für die Kirche, die sich katholisch nennt. Sie litten unter der Zugluft, die durch die offenen Fenster drang. Durch die offenen Türen kam einiges herein, das ihnen gar keine Freude bereitete. Um die Kirche vor weiterem Ungemach zu bewahren, schlossen sie dort ein Fenster und da eine Türe.Doch Gott sei Dank ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Es gab Christenmenschen und es gibt Tag für Tag mehr davon, welche zugestossene Fenster und zugemauerte Türen öffnen. Sie sind überzeugt: Nicht ein Ungeist hat sie verführt. Sie werden geführt vom gleichen Geist, der vor 50 Jahren Johannes XXIII. ermutigt hat, zu tun, was er getan hat.Pdf dieser Zeitschrift: http://www.franziskanermission.de/sites/default/files/fmpdfs/fm3_12.pdf
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant