«Angenehm war die Eröffnung für mich nicht …»

In der Diskussion um das Schema De sacra Liturgia meldet sich das Bemühen um die Erneuerung der Liturgie, welche bereits vor dem Konzil durch die Liturgische Bewegung angebahnt war. In diesem Zusammenhang ist aufschlussreich, wie die zur Eröffnung des Konzils gefeierte Liturgie von den in der Liturgischen Bewegung engagierten Personen wahrgenommen wird.
Die annähernd 2500 Konzilsväter nahmen am Eröffnungstag im Petersdom Platz und «wohnten der Messe von Kardinal Tisserant bei». Diese Formulierung gibt das seinerzeit gängige Verständnis der Liturgie wider, wonach der Zelebrant das Messopfer im Namen der Kirche darbrachte, wohingegen die versammelten Gläubigen – in diesem Fall die Kardinäle, Patriarchen, Bischöfe und Periti – durch Gebet und Gesang einen Anschluss an das Geschehen am Altar suchten. Nach der Messe, für die die Votivmesse «De Spiritu Sancto» gewählt worden war, wurde das Evangelienbuch feierlich inthronisiert, so wie es von nun an bei jeder Konzilsversammlung geschehen sollte. Es folgte der Ritus der Oboedienz, der Gehorsamsleistung, bei der jeder Vater vor dem auf seinem Thron sitzenden Papst das Knie beugte. Der Papst sprach anschliessend das Glaubensbekenntnis und die Eidesformel.
Andrea Riccardi bemerkt zum Prozedere: «Das Befremden der Liturgiefachleute ist spürbar» (A 2,14). Hier eine erste Einschätzung zur Eröffnungsliturgie vom Innsbrucker Liturgiewissenschaftler Josef Andreas Jungmann SJ, der als Peritus am Konzil teilnahm:«Angenehm war die Eröffnung für mich nicht: […] Als liturgischer Akt zwar sauber durchgeführt: gute Kirchenmusik, vorzügliche akustische Einrichtungen; aber als Gesamtkonzeption: Stil Leo XIII. Von der statio orbis in München hat man nichts gelernt. Also Hochamt ohne Kommunionspendung. Anstatt die Eröffnungsakte einzubauen (mehrsprachiges Evangelium, Papstansprache, professio fidei, Fürbitten …), kamen alle diese als Anhängsel ohne Ordnung. Ein Flectamus genua folgte nach der Litanei! Das an den Heiligen Geist gerichtete unschöne Gebet Adsumus […] wurde wenigstens nicht von allen zusammen, sondern von einem einzelnen gebetet. – Aber den meisten wird es ja gefallen haben. Vielleicht sollte so der terminus a quo der liturgischen Dinge anschaulich gemacht werden» (A 2,14).(Birgit Jeggle-Merz)

Konzilsblogteam

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