Aufnahme Marias in den Himmel

«Wir kommen alle in den Himmel, (nicht) weil wir so brav sindDie meisten von Ihnen haben sicher schon auf Friedhöfen oder in Totenkapellen die Inschrift gelesen: «Was ihr seid, das waren wir; was wir sind, das werdet ihr!» Dieser Spruch hat schon ein ehrwürdiges Alter. Er entstand um 1360 in Würzburg.Und er weckt nicht gerade schöne Gefühle. Wenn er neben Totengebeinen steht, warnt er uns: «Auch ihr werdet eines Tages nur noch Totengerippe sein.» Eine nicht gerade erhebende Botschaft.Wenn wir den Spruch heute Maria in den Mund legen würden, hätte er einen ganz andern Klang. «»¢ «Was ihr seid, das war ich; Maria»: nämlich ein Mensch wie ihr»«¢ «Was ich bin, das werdet ihr.»: nämlich von Gott verherrlicht; berufen, auf immer bei ihm zu sein.Bei diesem letzten Satz dürfen wir eine Aussage nicht überhören: von GOTT verherrlicht. Darauf macht auch die korrekte Bezeichnung des heutigen Festes aufmerksam. Wir sprechen zwar gerne von Maria HIMMELFAHRT. Besser wäre der Begriff «Aufnahme Marias in den Himmel».Im Lateinischen heisst es «assumptio», im Gegensatz zur Himmelfahrt Jesu, die als Ascensio bezeichnet wird.Vielleicht werden Sie sagen: Das sind nur Wortklaubereien. Nein, es steckt viel mehr dahinter. Nämlich die Überzeugung, dass das ewige Leben/auch unser ewiges Leben ein Geschenk ist, ein unverdientes Geschenk.Oder wie jemand gesagt hat: «Ein Himmel, den wir uns verdienen könnten, wäre ein armseliger Himmel.» Dies ist gerade im katholischen Bereich eine Einsicht, die alles andere als selbstverständlich ist. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen sehr frommen, sehr lieben Mitbruder, der im hohen Alter krank war/sehr viel leiden musste und sagte: «Mit etwas muss ich mir ja den Himmel verdienen.»Gerade Maria kann uns zeigen, dass die Initiative für unser Heil bei Gott liegt. Ich denke da an das Magnifikat: «Denn der Mächtige hat Grosses an mir getan, und sein Name ist heilig.» Die Theologie sagt, die Aufnahme Marias in den Himmel bedeute, dass sie ein PROTOTYP DER GLÄUBIGEN SEI; so wie es der eingangs zitierte Spruch meint:»Was ich bin, das werdet ihr.»Man kann sich dabei auf Papst Pius XII. stützen, der das Dogma verkündet und erklärt hat: Das, was an allen Menschen bei der Vollendung geschehen wird, wurde bei Maria vorweggenommen.Es ist eine Aussage, die uns Hoffnung schenkt.Und es ist eine Zusage der Liebe Gottes. Auf englisch gibt es einen schönen, prägnanten Ausdruck, der eine Liebeserklärung ist: «I wish you were her.»/Wie wünschte ich mir, du wärest hier bei mir.»Gott liebt die Menschen. Er liebt sie so sehr, dass er sie für immer bei sich haben will.Und wie es in der Bibel heisst: Er hat uns zuerst geliebt; noch bevor wir etwas Gutes getan hatten. Diese Botschaft ist nochmals eine Korrektur zu einem weit verbreiteten Missverständnis, wie es im bekannten Trinklied ausgedrückt ist: «Wir alle kommen in den Himmel, weil wir so brav sind, weil wir so brav sind.Dazu nochmals die Botschaft: Auch der brävste Menschen kann sich den Himmel nicht verdienen. Wir können das Trinklied aber auch umdrehen und sagen: «Auch wenn wir nicht so brav sind, kommen wir alle in den Himmel.»Dagegen höre ich nochmals einen Einwand: Gibt es denn keine Hölle, in welcher die Nichtbraven schmoren?»Der Luzerner Theologe Hans Urs von Balthasar, bekanntlich ein Cardinalis designatus und keineswegs höchst progressiv, meinte: «Es gibt bestimmt eine Hölle. Aber wir dürfen annehmen, dass sie leer ist.Ȁhnlich Karl Rahner. Er sah zwar die Hölle als «reale Möglichkeit». Aber sie könnte «am Ende leer» sein, denn niemals wurde die ewige Verdammung eines bestimmten Menschen verbindlich gelehrt. Der nicht sehr langen Rede kurzer Sinn: Freuen wir uns am heutigen Fest. Denn dort, wo Maria ist, werden wir auch sein.(Kloster Wesemlin, 7.30 und 10 Uhr)

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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