Die Gruppendynamik des Konzils prägten verschiedene informelle Gruppen. Hier – parallel zur offiziellen Konzilsarbeit – wurde es möglich, Positionen zu erarbeiten, Mehrheiten zu schmieden und Minderheitsvoten Raum und Gehör zu geben.Eine Gruppe prägte das Konzil und vor allem seine spätere Rezeption in besonderer Weise: die Gruppe «Die Kirche der Armen».Sie entstand in der Folge der Radiobotschaft von Papst Johannes XXIII. vom 11. September 1962. Darin stellte der Papst insbesondere den Menschen in den ‹unterentwickelten› Ländern die Kirche «als die Kirche aller, besonders aber als die Kirche der Armen» vor Augen.Ermutigt durch diese klaren Worte des Papstes fanden Bischöfe und Theologen zueinander, die unter anderem durch die Arbeiterpriesterbewegung und durch Erfahrungen in den Ländern der sog. Dritten Welt geprägt waren. Das Anliegen der Gruppe wurde auch von Konzilsvätern aus Ländern des Ostblocks mitgetragen, die nach einem Gegenentwurf zum kommunistischen Vorwurf suchten, nach der die Kirche vor allem Verbündete des Kapitalismus sei und damit als Gegnerin der Armen auftrete.Schon vor der Konzilseröffnung lag mit dem Manifest «Les pauvres, Jésus et l’Église» (Die Armen, Jesus und die Kirche) aus der Feder des Theologen Paul Gauthier, das den späteren Konzilsvätern zugestellt wurde, ein Versuch vor, das Konzil in die Richtung des päpstlichen Impulses zu lenken. Die Kirche der Armen sollte, so die Hoffnung, das Leitmotiv der Konzilsarbeit werden.Am 26. Oktober 1962 kam es zu einem ersten formellen Treffen der Gruppe. Man traf sich im Belgischen Kolleg unter dem Vorsitz von Pierre-Marie Kardinal Gerlier, dem Erzbischof von Lyon. Wichtige Exponenten der Gruppe wurden im weiteren Verlauf: Giacomo Kardinal Lercaro (Bologna), Mons. Hélder Câmara (Rio de Janeiro, später Olinda/Recife) und Mons. Georges Mercier (Laghouat, Algerien).Man wird von dieser Gruppe noch hören.(ab; vgl. A 2, 237-239)
Konzilsblogteam
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant