Teilen macht glücklich Die Geschichten von der Brotvermehrung – warum spricht man eigentlich nicht auch von der Fischvermehrung? – diese Geschichten sind eine Vorwegnahme des Abendmahls. Und dieses Abendmahl feiern wir ja in jeder Eucharistie, in jeder Messe.Worum geht es eigentlich in der Messe? So fragte mich vor einigen Tagen Bob, ein älterer protestantischer Holländer, mit dem ich über Gott und die Welt diskutierte. Und er gab die Antwort gleich selber: «Die Messe ist eine Erneuerung des Abendmahls. Und im Abendmahl hat Jesus sich mit Leib und Blut geschenkt. Dabei gab er uns Menschen ein Beispiel. Auch wir sollen uns den andern schenken. Und wozu? Damit wir einander glücklich machen und dabei selber glücklich werden.»Bob ist ein Ingenieur und hat nie Theologie studiert. Aber er hat den Nagel auf den Kopf getroffen. In den letzten paar Jahren hat sich unter den Bibelwissenschaftern die Einsicht verbreitet: «Wenn Jesus – wie wir es im Einsetzungsbericht hören, sagt ‹tut dies zu meinem Gedächtnis› dann meint er nicht bloss: Feiert Eucharistie. Sondern: Gebt auch ihr euer Leben hin für die andern.›»Und mit Bob können wir sagen: Gerade so werden wir glücklich. Oder noch plakativer: «Teilen macht froh.»Bei der Vorbereitung dieser Predigt bin ich (Im Predigtforum der Redemptoristen http://predigtforum.at/) /auf eine kurze Geschichte gestossen. Eine Frau, die am Ende des Zweiten Weltkriegs aus ihrer Heimat im Osten vertrieben wurde und Ende 1945 mit ihrer Familie auf einem österreichischen Bauernhof lebte, erzählt:Wir litten Hunger. Einmal ging ich mit den Lebensmittelmarken zu Fuß in die Stadt – ein paar Kilometer -, um Brot zu kaufen. Schließlich konnte ich ein kleines Zwei-Pfund-Brot erstehen. Da hörte ich, dass es am Rand der Ortschaft ein Gefangenenlager gebe (ich suchte meinen Mann). Die deutschen Kriegsgefangenen starrten mich an, als ich den Zaun entlang ging. Plötzlich wusste ich warum: Sie sahen das Brot in meiner Hand. Da konnte ich plötzlich nicht anders: Ich nahm das Brot und warf es über den Stacheldraht. Die Männer stürzten sich darauf und aßen es heißhungrig. Mit leeren Händen kehrte ich heim. In mir spürte ich eine Stimme, die sagte, dass es so richtig war; doch was sollte ich heimbringen? Nichts! Als ich den Hof betrat, winkte mir die junge Bäuerin. «Wir haben eben gebacken.» Sie nahm mich beiseite und drückte mir – ohne dass sie etwas wusste von dem, was ich getan hatte – einen Fünf-Pfund-Brotlaib in die Hand. Es war gutes Bauernbrot. Da wusste ich, dass das Evangelium wahr ist.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant