Die inhaltliche Arbeit der Generalversammlungen begann am 22. Oktober mit der Debatte über das Schema De sacra Liturgia. Es ist bemerkenswert, wie viele Konzilsväter dem vorgelegten Schema positiv gegenüber standen. Kardinal Döpfner (München) bezeichnete das Schema sogar als den besten Text, den die Väter erhalten hätten. Die Kardinäle Montini (Mailand) und Henriquez (Santiago de Chile) lobten beispielsweise den pastoralen Charakter des Schemas und seine Ausgewogenheit. «Das Schema steckte einen gut gewählten mittleren Weg ab zwischen einer Erneuerung nach persönlichem Dafürhalten und ohne Rücksicht auf die Tradition auf der einen Seite und einem unveränderlichen Charakter der Riten auf der anderen Seite» (A 2,136), so der Tenor vieler Rückmeldungen. Von den Vätern aus der Dritten Welt wurde besonders gelobt, dass die nicht-westlichen Kulturen die Möglichkeit erhalten sollten, auf ihre Weise die Liturgie zu feiern. Kardinal Rugambwa (Tansania) sei hell begeistert von der Aussicht, so vermerken die Akten, dass die Bischofskonferenzen in Abstimmung mit der Tradition der verschiedenen Völker Änderungen in der Liturgie vornehmen können sollten. Auch wurde die biblische Orientierung des Schemas positiv hervorgehoben und die Bedeutung der Überlegungen zur Liturgie für die Förderung der aktiven Teilnahme an der Liturgie.Dieser breiten Befürwortung des Schemas standen jedoch auch kritische Stimmen gegenüber, die z.B. einen Mangel an theologischer Fundierung vermissten. Kardinal Lercaro versuchte dem zu begegnen, indem er herausstellte, dass man keinen scholastischen Traktat über die Liturgie erwarten solle, sondern «ein festes Fundament für die Erneuerung und Verbesserung der Liturgie» (A 2,137).(Birgit Jeggle-Merz)
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