«Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!»

Am 19. Oktober 1962 organisierte der Mainzer Bischof Hermann Volk in der Villa Mater Dei in Rom ein Treffen zwischen vornehmlich deutschen und französischen Konzilsbischöfen und –theologen, darunter die Bischöfe Josef Maria Reuss (Weihbischof in Mainz), Alfred Bengsch (Berlin), Paul-Joseph Schmitt (Metz), Gabriel Garrone (Toulouse), Ancel Ancel (Weihbischof in Lyon), Jean-Julien Weber (Strassburg) und dessen Koadjutor Elchinger sowie die Theologen Karl Rahner, Yves Congar, Marie-Dominique Chenu, Henri de Lubac, Jean Daniélou, Alois Grillmeier, Joseph Ratzinger und Hans Küng. Die Diskussion «führte zu dem Beschluss, Texte zu schreiben, die vielleicht die offiziellen Schemata ersetzen könnten. Trotz dieser gemeinsamen Schlussfolgerung waren die Strategien verschieden und sollten es bleiben» (A 2,97) – und dies bis hin zu den Diskussionen um Gaudium et spes gegen Ende des Konzils. Den Dialog, der nichtsdestotrotz bei diesem ersten Treffen initiiert wurde, personifizierte in gewisser Weise der Elsässer Léon-Arthur Elchinger (s. Konzilsblog vom 27. September 2012).Die Anwesenheit des Schweizers Johannes Feiner und des Belgiers Gérard Philips zeigt zwar, dass es sich nicht um ein rein deutsch-französisches Treffen handelte. Allerdings ist dessen deutsch-französischer Kern angesichts der Erfahrung zweier Weltkriege durchaus bemerkenswert: Im selben Jahr 1962 feierten der Präsident der französischen Republik, Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer am 8. Juli auf dem Weg der Versöhnung beider Völker eine hl. Messe in der Kathedrale von Reims mit, der Erzbischof François Marty vorstand. Bei seinem Gegenbesuch in Deutschland rief de Gaulle im September in Bonn aus: «Es lebe die deutsch-französische Freundschaft»; am 22. Januar 1963 unterzeichneten beide Staatsmänner im Elysée-Palast den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag. Dieser zeitgeschichtliche Kontext ist durchaus aufschlussreich für den auf dem II. Vaticanum sich rapide erweiternden internationalen Horizont theologischen Denkens.(Michael Quisinsky; vgl. Internetseite www.france-allemagne.fr sowie Internetseite www.allemagne-service.com )

Konzilsblogteam

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