Ist ein Papst wichtiger als ein Konzil?

Kollegialität wird systematisch zurückgedrängt
Herbert Kohlmaier, dem ehem. «Obmann» der österreichischen Laien-Initiative, gelingt es immer wieder, Missstände in der Kirche klar und deutlich beim Namen zu nennen. In seinem neuesten Rundmail befasst er sich mit der Tatsache, dass Leute wie Kardinal Brandmüller signalisieren, im Gespräch mit den Piusbrüdern könne man bestimmte Konzilsdokumente in ihrer Bedeutung relativieren: «Ganz allgemein ist in diesem Zusammenhang festzustellen, dass in letzter Zeit eine «zunehmende und höchst bedenkliche Unschärfe betreffend den Verbindlichkeitsgrad kirchenamtlicher Erklärungen entstanden ist. Sie wird vor allem davon gekennzeichnet, dass das Kollegialprinzip als Urelement der Kirche seit ihrem Beginn nun noch mehr zurückgedrängt wird. Es entsteht der Eindruck, der Papst könne anstelle kollegialer Beschlüsse oder gar über solche hinweg allein festlegen, was in der Kirche zu gelten habe.Ein typisches Beispiel dafür ist das Apostolische Schreiben Johannes Pauls II. «Ordinatio Sacerdotalis» (1994), mit dem die Weihe von Frauen «endgültig» bzw. «definitiv» ausgeschlossen wird. Immer wieder wird von Seiten der Hierarchie darauf hingewiesen, dass es daher nicht einmal zulässig sei, darüber auch nur zu diskutieren! Damit zeigen die Aussagen Brandmüllers die absurde Situation, dass Entscheidungen des Konzils sehr wohl hinsichtlich ihrer «Verbindlichkeit» zur Diskussion gestellt werden können, nicht aber vom Papst allein Getroffene.»—————————
PS. Gemäss den Meldungen vom Mittwoch wird mit den Piusbrüdern weiterverhandelt. Während in Deutschland verdienten Priestern gedroht wird, weil sie sich mehr an Evangelium der Barmherzigkeit ausrichten als am Kirchenrecht.

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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