Oder: Weniger ist mehr(Mein Edito zum Franziskuskalender 13; s. auch untenstehende Pressemeldung)Wir alle haben es wohl schon als Kinder erfahren: Wenn wir in der Metzgerei einkaufen gingen, wurden wir gefragt: «Darf’s es bitzeli meh si?» Als wir nach einem Thema für den vorliegenden Franziskuskalender suchten, schlug ein Mitglied unseres Teams diesen Titel vor. Wir «übersetzten» ihn ins Hochdeutsche: Darf es ein bisschen mehr sein?Und bald fanden wir Bereiche, in denen «ein bisschen mehr» durchaus Platz hätte; z.B. in der Wertschätzung von Frauen. Im Verlaufe der weiteren Arbeit am Thema kam eine junge externe Mitarbeiterin auf die sympathische Idee, etwas mehr Lachen und Heiterkeit würden uns Schweizerinnen und Schweizern gut anstehen.Zurück zu unserer kreativen Redaktionssitzung: Es wurde uns immer stärker bewusst, dass auch das Gegenteil unseres ausformulierten Themas äusserst aktuell ist. Uns fiel dazu der landläufige Begriff weniger ist mehr ein. Denn auf vielen Gebieten wäre der Abschied vom «immer mehr und noch mehr» sowie eine Reduktion auf Wesentliches bitter nötig. Dazu gehört die überwuchernde, in den letzten paar Jahren gewachsene Bürokratie in der Pflege; oder die Arbeitswut mancher Zeitgenossen, die in ein Burn-out fallen.Es fiel mir auf, dass dieser zweite Aspekt unseres Themas recht häufig zur Sprache gebracht wird. Ich stiess zufällig auf ein Buch, das das «Zeitalter des Weniger» propagierte (neudeutsch formuliert mit «The Age of Less»). Und in den ersten Wochen des Jahres 2012 haben zufällig gerade zwei Zeitschriften sich dem «Abspecken» gewidmet: das Heft 1 des Kultur SPIEGELS mit einem niedlichen Schweinchen auf dem Titelblatt und der Schlagzeile: «Abspecken! Probier’s mal mit Genügsamkeit.» Und unsere Schwester- oder Konkurrenzzeitschrift Wendekreis mit einem Stück Speck auf dem Cover und dem Text: «Abspecken. Ist weniger wirklich mehr?»Insgesamt gibt es auf den folgenden Seiten ein Spannungsfeld zwischen dem «Mehr» und dem «Weniger». Und wir hoffen, dies ergäbe eine spannende Lektüre; sowie auch etwas Spass beim Betrachten der Fotos, die wenigstens so viel zum Thema beitragen wie die Artikel.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant