…den Rücken zugekehrt?Gescheitheit schützt nicht vor – sagen wir mal nicht «Dummheit» – sondern vor ungescheiten Argumentationen. So könnte man Kardinal Kurt Kochs Hinweis deuten, man würde sich nicht darüber aufregen, dass der Busfahrer den Passagieren den Rücken zuwendet. Dazu mein lieber Kollege Josef-Bieger-Hänggi in einer Glosse (auf www.tagsatzung.ch):
Es ist einem Theologen hoch anzurechnen, wenn er versucht, seine theologischen Argumente volksnah und verständlich zu präsentieren. So hat auch unser Kardinal Kurt Koch, der seit kurzem wieder für eine vom Opfercharakter geprägten Liturgie eintritt, und die Stellung des Priesters in der Eucharistiefeier mit dem Rücken zum Volk propagiert, zu solch drastischen Argumenten gegriffen. «Haben sich jemals Passagiere eines Autobusses darüber aufgeregt, dass der Busfahrer ihnen seinen Rücken zuwendet und die Strasse vor sich beobachtet?» So fragt er. Und weiter, mit dem Hinweis auf Muslime, die sich nach Osten ausrichten: «Heute sind es nur die Katholiken, die aufgehört haben, auf den Herrn ausgerichtet zu beten.» Da weiss jemand genau, wo Gott hockt.Zugegeben, es gibt in der christlichen Geschichte zwei Traditionen, die zur Vorlage für sachgerechte liturgische Umsetzung dienen können. Die eine ist das Bild vom Opferpriester, der vor dem Volk seinen Dienst tut, und die andere ist das Bild des Abendmahls, wo Jesus im Kreis seiner Jünger sitzt oder liegt. Warum aber frage ich mich, muss diese zweite Form, die doch in den theologischen Ausführungen über die Mahlgemeinschaft ebenso vertieft wurde, auf diese Art schlecht benotet, ja geradezu lächerlich gemacht werden? Diese Buschauffeurtheologie provoziert ja geradezu die Gegenfrage: Ja, hat denn schon jemand ein Abendmahlsbild gesehen, auf dem Jesus rücklings auf seinem Sitz thronte, also mit dem Rücken zu seinen Freunden? So jedenfalls werden sich die verschiedenen Strömungen in der Kirche nicht näherkommen, auch wenn ihre Argumente mit kardinaler Autorität gesprochen sind. Schade.————————————–Danke, lieber Sepp.Ein Nachtrag: Letzte Woche begegnete ich im Rahmen einer Kapuziner-Studienwoche jungen Priester-Mitbrüdern aus Irland und Malta. Beide bückten sich beim Einsetzungsbericht – nein, bei den «Wandlungsworten!! – der Messe über Hostie und Kelch. Ich sagte mir: Wie sinnvoll, die Hostie einzuladen: «Nehmet und esset …»
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/hat-jesus-seinen-juengern-beim-essen/