Jesus hat Mühe mit dem Kreuz

Was wäre, wenn ….Was wäre, wenn Jesus heute nach Jerusalem käme? Diese Frage hat Kipa im Rahmen ihrer Serie «Was wäre, wenn??» dem Freiburger Neutestamentler und Jerusalem-Experten Max Küchler gestellt.»Mit der Allgegenwärtigkeit des Kreuzes hat er seine Mühe», glaubt Küchler. «Jesus fragt sich, `Was habe ich da bloss angerichtet?` Denn das Kreuz ist für ihn keine gute Erinnerung.» Das Vermarkten seines eigenen Leidens löst vermutlich Entsetzen bei Jesus aus, schätzt Max Küchler, dessen in Studentenkreisen scherzhaft «der dicke Küchler» genannte «Handbuch und Studienreiseführer zur Heiligen Stadt» längst als das Standardwerk zu Jerusalem gilt. Die Szene, wie Küchler sie kürzlich vor der Grabeskirche erlebt hat, wäre Jesus ein Gräuel: Menschen, die sich ? die Sonnenbrille auf der Nase ? mit einem grossen Holzkreuz auf den Schultern niederwerfen und mit zum Victory-Zeichen gespreizten Fingern aufs Bild bannen lassen. «Das geht ihm schon nahe, das mit dem Kreuz», sagt Küchler, ganz so, als wäre Jesus tatsächlich Augenzeuge der allgegenwärtigen Absurditäten rund ums Kreuz. Wäre er es, würde er vermutlich die Geschichte von 2000 Jahren Rezeption seines freiwillig akzeptierten Kreuzestodes überdenken, so der Neutestamentler.—————————————Ich weiss, unser Freund Stefan Fleischer, wird an diesen Ausführungen kaum Freude haben. Für ihn steht das Kreuz im Mittelpunkt seines Glaubens. In einer Publikation über das Thema gelingt es ihm, die Auferstehung fast völlig auszublenden. Damit ist er nicht allein. In einer Osterpredigt in unserer Klosterkirche lud ich die Gläubigen ein, die dort vorhandenen Kreuze und Kruzifixe zu zählen. Zusammen mit den Kreuzen über jede der Kreuzweg-Stationen waren es über 20. Doch wo bleiben die Auferstehungsbilder????

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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