Rückblick auf das Konzil

Ein erfrischender TextIm Winterbulletin der dt. KirchenVolksBeweggung wird ein Text von Kardinal Franz König (1905-2004) zitiert. Er ist sehr erfrischend. Und kann uns die Hoffnung geben, dass die Dynamik des Konzils sich weiterhin entfaltet:
Das neue Kirchenbild eines gemeinsamen Volkes GottesIn das ,Überlebenspaket’ eines modernen Christen gehören heute alle wichtigen Impulse des Zweiten Vatikanischen Konzils, das heißt: das neue Kirchenbild eines gemeinsamen Volkes Gottes, die besondere Aufgabe der Laien in der Kirche und der ökumenische und interreligiöse Dialog. Die Grundlage für das alles aber ist der persönliche Glaube und vor allem das persönliche Gebet, denn durch das persönliche Gebet bleiben wir in der Nähe und Geborgenheit Gottes.In Zukunft wird das Lebensbeispiel des einzelnen Christen, auch sein bescheidener, einfacher, christlicher Lebensstil eine viel größere Rolle spielen als kirchliche Institutionen. Wir sind noch immer viel zu sehr in der Tradition verankert, dass es zwingend ist, Propaganda für den Glauben zu machen, und noch immer zu sehr davon überzeugt, dass Religion die Unterstützung der öffentlichen Meinung und des Staates braucht. Die Zeit ist gekommen, solche Ideen beiseite zu legen. Jetzt muss der Glaube, der von innen kommt, wieder freigelegt werden, ein Glaube der teilweise zugedeckt wurde durch übermächtige Kirchenstrukturen. Die Kirche ist mehr als Kirchenrecht und Ordnungsgefüge.Immer mehr Menschen lehnen heute die äußeren Formen des Christentums ab, suchen aber gleichzeitig nach grundlegenden Werten. Deswegen wird sich die Kirche ändern müssen, um die verschütteten Quellen einer persönlichen Religiosität wieder zum Vorschein zu bringen – und mit persönlicher Religiosität meine ich die religiöse Erfahrung. Christsein erschöpft sich nicht in der Einhaltung von Vorschriften, wie ich es noch in meiner Kindheit erlebt habe, sondern es geht um eine Botschaft, die mich innerlich wandelt und zufrieden macht. Wir erfahren etwas, was unser ganzes Wesen bewegt und uns Einsicht gibt in dieses unendliche Mysterium, das wir Gott nennen, eine Einsicht, zu der wir nie durch den Intellekt allein gelangen können. Wir müssen den Menschen wieder zeigen, was der christliche Glaube zu bieten hat undwie er ihr Leben verändern kann.aus: Franz Kardinal König, Offen für Gott – Offenfür die Welt. Kirche im Dialog, (Herder 2006)

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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