…der SpracheMein «alter» Freund Josef Bieger-Hänggi macht sich in seinem Weihnachtsmail Gedanken über die Verluderung der Sprache. Da mir sprachliche Präzision und Ehrlichkeit bekanntlich auch ein wichtiges Anliegen ist (vgl. in diesem Blog die Beiträge in der Rubrik «Sprache»!) übernehme ich hier seine Überlegungen, die äusserst aktuell sind:
Der Krieg beginnt in der Sprache. Mehr und mehr wurde sie im vergangenen Jahr militarisiert. Gegen Andersdenkende wird schweres Geschütz aufgefahren, werden Giftpfeile abgeschossen, Kavallerie aufgeboten. Man lässt Bomben platzen, bezichtigt die Gegner des Landesverrats. Mit der Aufforderung, den Feind auszuräuchern, motivierte Bush seine Krieger. Jetzt lese ich in der Baslser Zeitung von Handgranaten werfenden Sozialdemokraten.Der politische Gegner wird dämonisiert,Höchste Richterämter und Regierungsämter lächerlich gemacht, mediale Trommelfeuer eröffnet, und immer schön auf die Person gezielt, bis sie ausgeschaltet ist. Mission completed.Respekt vor Ämtern, würdevoller Umgang mit Menschen, Rücksicht auf die Schwachen gelten als «Ästhetik» die man mal hervorholen kann, wenn es das Bild schöner macht. Unmerklich dringt auch ein ausgrenzendes, ausländerfeindliches Vokabular in unsere Sprache. Nazi-Parolen in Stadien, aber auch so harmlos daherkommende Wörter, wie etwa «Wirtschaftsflüchtling», «Auszuschaffende», «Asylantenflut» werden leichthin ausgesprochen . Wer fragt schon, welche menschlichen Schicksale sich hinter diesen Wörtern verbergen.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant